Kronenartiger Kelch

Tropfenfoto-Workflow – So erstelle ich meine Tropfenfotos

Zufallsergebnisse bei der Tropfenfotografie kosten viel Zeit und erzeugen jede Menge Frust. Die Ergebnisse sind i.d.R. dürftig. Eine systematische Vorgehensweise jedoch erhöht die Trefferquote, macht Ergebnisse reproduzierbar und vermeidet Fehler beim Einrichten des „Setups“.
Hier erkläre ich Dir meine Vorgehensweise, meinen Tropfenfoto-Workflow in Form einer Checkliste.

Tropfenfoto-Workflow Folge-Nr.

Tropfenfoto-Workflow Aktion

01

Gewünschte Fallhöhe der Tropfen (Austrittsöffnung üblicherweise ca. 40 cm über dem Wannenboden) und die Höhe der Siphon-Aufhängung (bei mir ist der Abstand zwischen Siphonboden-Austritt bis Magnetventil-Eintritt üblicherweise ca. 60 cm lang und bis zum Austritt ca. 77 cm) am Tropfengestell einstellen. Zwecks schnellerer Ergebnisse bei späteren Reproduktionsversuchen, notiere ich mir die gewählten Abstände.

02

Abdeckung der leeren Auffangwanne entfernen (um Verunreinigungen meiner Auffangwanne möglichst zu vermeiden, lege ich diese, wenn sie einige Tage lang nicht benutzt wird, stets mit Papier von der Küchenrolle aus).
Absperrhahn des Ablaufschlauchs kontrollieren und die Wanne bis zur gewünschten Höhe mit Wasser füllen. Es gibt Tropfenfotografen, die dem Wasser im Auffangbecken einen Tropfen Spülmaschinen-Klarspüler zugeben (Verminderung der Oberflächenspannung) und dann wegen der dadurch erhöhten Blasenbildung Entschäumer zusetzen. 
Übrigens sollte das Wasser in der Wanne nicht zu lange verbleiben. Nach einigen Tagen ist die Wasseroberfläche durch den sich abgesetzten Staub nicht mehr ansehnlich. Außerdem begünstigen die Staubpartikel die Bildung hartnäckiger Blasen.

03

Tropfenflüssigkeit aufbereiten, wenn noch nicht geschehen.
Wenn ich Wasser verwende, füge ich auf den Liter wenige Gramm des Dickungsmittels „Nutilis Clear“ hinzu, um die Viskosität zu erhöhen.  Z.B. 2,5 Gramm, die ich mit der Feinwaage abmesse. Sorgfältiges Umrühren und einige Minuten Wartezeit für den Verdickungsvorgang gehören dazu. Die fertige Tropfenflüssigkeit gieße ich durch ein Kaffee-/Teesieb, damit eventuelle „Flocken“ herausgefiltert werden und die Ventile nicht verstopfen können. Das Mischungsverhältnis notiere ich mir (genauso, wie auch die späteren Einstellungen) sehr sorgfältig. Diese Dokumentation wird für schnellere Ergebnisse späterer Reproduktionsversuche benötigt.

04

Ggf. das Färbemittel (z.B. Lebensmittelfarbe) hinzufügen.

05

Das mittlere Magnetventil so ausrichten, dass die Austrittstülle senkrecht steht.

06

Spätestens jetzt die Kamera aufstellen (noch unausgerichtet) und den ausgeschalteten Blitzgerätesender auf den Blitzschuh montieren. 

07

Magnetventile, Kamera und Rechner mit der Steuereinheit (in meinem Fall ist das der Crazy Trickler) verkabeln.

08

Den Rechner starten, die Steuereinheit an das Strom-Netz anschließen.

09

Wenn der CrazyTrickler verwendet wird, muss jetzt an seinem integrierten Display „TricklerGUI“ gewählt werden.

10

Steuersoftware (TricklerGUI) auf dem Rechner starten.

11

Eine (entsprechend voluminöse) Spritze mit der Tropfenflüssigkeit aufziehen, das Magnetventil des zu füllenden Siphons auf „Entleeren“ (Dauer-Auf) schalten, ein Auffanggefäß unter das Ventil stellen und die Tropfenflüssigkeit mit der Spritze durch das geöffnete Ventil nach oben in den Siphon drücken. Das Ventil muss nun schnell geschlossen werden, damit die „Suppe“ nicht wieder hinausläuft. Jetzt kann der Tropfenflüssigkeitsbehälter auf normalem Weg komplett gefüllt werden.

Werden die Siphons (Tropfenflüssigkeitsbehälter) nicht vorab mit der Spritze von unten, sondern ohne weitere Maßnahmen nur von oben gefüllt, bilden sich in den Zulaufschläuchen Lufträume, die nur schwer (z.B. durch mühevolles Kneten der Schläuche) zu beseitigen sind.

12

Die Fokussier-/Zielhilfe (Fokussierschraube) möglichst genau unter das mittlere Magnetventil in die Auffangwanne stellen.
Dann so oft einen Tropfen aus dem mittleren Ventil abwerfen, bis die Fokussierhilfe so ausgerichtet ist, dass diese Tropfen genau auf die Spitze der Fokussierschraube treffen.

13

Falls die beiden anderen Siphons verwendet werden, deren Ventile so ausrichten (ohne die Fokussierhilfe zu bewegen!), dass deren Tropfenabwürfe ebenfalls genau auf die Spitze der Fokussierschraube treffen.

14

Bevor nun die Kamera positioniert wird, sieht mein Tropfenfoto-Workflow die Festlegung von Brennweite und gewünschter Schärfentiefe vor. Im Internet sind DoF-Rechner (DoF = Depth of Field) verfügbar, die anhand der Blende, der Brennweite, des Kameramodells (Chip-Größe) und des Abstandes zum Objekt die Schärfentiefe berechnen. Die Blende wird normalerweise zwischen 11 und 16 liegen und die Brennweite zwischen 100 und 200 mm.
Um einen möglichst großen Schärfetiefenbereich zu erhalten, fotografiere ich die Tropfen oft aus 1 Meter Entfernung mit einem 100 mm-Objektiv an der Vollformatkamera. Damit habe ich einen Schärfentiefebereich von ca. 4 cm vor und 4 cm nach dem Fokuspunkt. Nachteilig ist die geringe Abbildungsgröße, die in der Nachbearbeitung eine nicht unerhebliche Ausschnittvergrößerung erfordert, um das Motiv formatfüllend darzustellen.

15

Die Kamera einschalten, auf manuelle Belichtung, eine Belichtungszeit von z.B. 1/100 und eine Empfindlichkeit von 200 ISO stellen und in eine möglichst flache Position zur Auffangwanne bringen, damit die Spiegelung im Wasser optimal ist. Dabei dürfen vorderer und hinterer Wannenrand nicht zu sehen sein. Trotzdem muss die Höhe der späteren Skulpturen noch vernünftig in das Bild passen.

16

Die Blende ganz aufziehen und mit dem Autofokus die Fokussierhilfe scharfstellen. Anschließend den Autofokus vorsichtig abschalten und die Blende auf einen Wert zwischen 11 und 16 (üblicherweise 16) schließen. Manche Fotografen bevorzugen das manuelle Scharfstellen über LiveView.  

17

Vor Entfernung der Fokussierhilfe die Beleuchtung einrichten. Die Blitze werden mit den gewünschten Farbfolien bestückt und zusammen mit den Diffusoren grob ausgerichtet.

18

Blitze und Blitzsender einschalten, die Leistung auf 1/64 oder 1/128 reduzieren und die Zoom-Funktion der Blitze auf größtmöglichen Weitwinkel (20 oder 24mm) einstellen.

19

Testfotos  auslösen um festzustellen, ob an der Leistungsminderung der Blitze oder der ISO-Empfindlichkeit der Kamera geschraubt werden muss, oder ob die Position des einen oder anderen Blitzes verändert werden sollte, damit diese nicht überstrahlen.

Die Testfotos sollten nicht vom Steuergerät/Computer aus, sondern direkt an der Kamera ausgelöst werden. Das spart Tropfenflüssigkeit.

20

Ist die gewünschte Beleuchtungssituation erreicht worden, wird  die Fokussierhilfe entfernt.

21

Nummer des letzten Fotos/Testfotos in der Kamera ermitteln und diese Bild-Nr. + 1 in das Bildnummern-Feld der Steuerungssoftware eintragen, sowie den Haken bei „Foto-Log“ in das Kästchen vor dem Wort „Bild-Nr.“ setzen. Dann auf „öffne Log“ klicken. Im Laufe der Sitzung immer wieder überprüfen, ob die letzte Bildnummer der Kamera mit derjenigen in der Log-Datei übereinstimmt. Ggf. die Bild-Nr. in der Steuerungs-Software korrigieren. So kann mit Hilfe der Log-Datei und der Dokumentations-Notizen später immer wieder nachvollzogen werden, mit welchen Einstellungen welche Formen erzeugt werden konnten.

22

Richtigen Auslösezeitpunkt der Kamera (Zeitabstand zwischen Auslösen des Tropfens und Auslösen der Kamera) ermitteln und Einstellungen in der Steuerungs-Software vornehmen.


Gerade am Anfang Deiner „Tropfenfotografen-Karriere“ brauchst Du ein Gefühl für die zeitlichen Abläufe. Dazu musst Du eine Testreihe schießen. D.h., Du stellst die „Startzeit Ventil“ (Verzögerung zwischen Mausklick auf „Auslösen“ bis zur tatsächlichen Öffnung des Ventils) z.B. auf 5000 (=5 Sekunden) und die „Öffnungszeit“ (Tropfengröße) z.B. auf 40. Dies sind die Einstellungen für den Crazy Trickler. Beim GlimpseCatcher dürften die entsprechenden Einstellungen die folgenden sein: „Ventil ½ Verzögerung“ auf 5000 und „Ventil ½ Aktivierung“  auf 40. Zu beachten ist, dass je nach Viskosität und Öffnungsdauer (Tropfengröße) sich ggf. mehrere Tropfen statt nur einem bilden können. Diesen Effekt kann man sich für seine Skulpturen auch zu Nutze machen.

Der Eintrag „Fotolag“ in der Steuerungssoftware wird benötigt, um die Verzögerung der Kamera vom Auslösebefehl bis zum Öffnen des Verschlusses auszugleichen. Für meine Canon 5D IV verwende ich den Standardeintrag der CrazyTrickler-Software (60 ms). Das Setzen auf den Wert 0 führt bei mir zu Fehlfunktionen.

Maßgeblich für die Kamera-/Blitzauslösung ist der Eintrag unter „Hauptblitz“. Mit diesem Wert muss „gespielt“ werden. So versuchst Du zu ermitteln, wann Du auslösen musst, um das Auftreffen des Tropfens auf die Wasseroberfläche zu erwischen. Ob der Tropfen bereits aufgetroffen ist oder nicht, siehst Du an der Bewegung des Wassers. Entsprechend erhöhst oder verminderst Du den Wert unter „Hauptblitz“.

Danach ermittelst Du Beginn und Höhepunkt der aufsteigenden Säule, indem Du den „Hauptblitz“-Wert entsprechend erst in größeren (20er) Schritten erhöhst oder erniedrigst und je nach Ergebnis die Werte verfeinerst (5er oder 2er-Schritte). Bei jeder Einstellung werden ca. 6 Fotos gemacht. Zwischendurch muss das Wasser in der Auffangwanne immer wieder zur Ruhe kommen und eventuelle Blasen müssen zerplatzt sein. Innerhalb dieser 6 Fotos wirst Du einen Trend erkennen, der für die gewählte Einstellung als repräsentativ angenommen wird.  

Da der Folgetropfen auf die aufsteigende Säule treffen sollte, wird die „Hauptblitzzeit“ auf einen Wert innerhalb des ermittelten Zeitrahmens der aufsteigenden Säule eingestellt. Dabei solltest Du entscheiden, ob Du einen Treffer auf kleiner, mittlerer oder hoher Säule möchtest.

23

Abwurfzeitpunkt für den zweiten Tropfen ermitteln. Dazu eine zweite Testreihe fotografieren. Die unter Punkt 22 ermittelten/eingestellten Werte für Ventilöffnungszeitpunkt, Öffnungslänge und Hauptblitzzeit werden vorerst nicht mehr geändert.
Sobald in einer 6er-Fotoserie ein Skulpturentrend zu erkennen ist, werden noch mehr Fotos geschossen.

Jetzt kann mit dem Abwurfzeitpunkt und der Hauptblitzzeit experimentiert werden. Wird der Abwurfzeitpunkt verkürzt, muss ggf. auch entsprechend der Zeitpunkt des Hauptblitzes verkürzt werden und umgekehrt.

24

Nach Beendigung der Sitzung sollte der Inhalt der Log-Datei in eine Textdatei kopiert werden. An den Anfang dieser Textdatei sollten die Notizen über die Zusammensetzung der Tropfenflüssigkeit, die Höhe der Ventilaustritte, die Höhe der Siphons, die Höhe des Wasserspiegels der Auffangwanne, die Anordnung und Farben der Blitzgeräte inkl. Einstellung der Leistungsminderung usw. untergebracht werden.

25

 

Um einen möglichst großen Schärfetiefenbereich zu erhalten, fotografiere ich die Tropfen oft aus 1 Meter Entfernung mit einem 100 mm-Objektiv an der Vollformatkamera. Damit habe ich einen Schärfentiefebereich von ca. 4 cm vor und 4 cm nach dem Fokuspunkt.
Nachteilig ist, dass hier eine nicht unerhebliche Ausschnittvergrößerung notwendig ist.

Bei der Nachbearbeitung treten interessante Strukturen allerdings oft erst zutage, wenn die Aufnahmen bei 100%er Vergrößerung betrachtet werden.

Aus einigen meiner Dokumentationen, wie ich sie im Tropfenfoto-Workflow unter Punkt 24 beschrieben habe, habe ich Dir Beispiele zum Nachmachen zusammengestellt. Diese Beispiele findest Du hier im Bericht über Parameter für Tropfenfotos.  

Folgende Berichte zum Thema Tropfen/Highspeedfotografie sind bereits auf eifelpanorama.de erschienen:

 

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