Alpenbock

Alpenbock ohne Alpen – die Buchen sollst Du suchen

Auf der Suche nach dem attraktiven und sehr seltenen Alpenbock bekomme ich einen Tipp von einem Filmer-Pärchen, das ich bei Beuron treffe (siehe: „Grillenjäger und Russischer Bär – am Donaukloster“). Wie die dort erzählte Geschichte weitergeht, erfährst Du hier.

Ich freue mich tierisch über den Tipp zum Alpenbock, der mich auf einer Fahrt auf der A81 erreicht. Ich steuere den nächsten Parkplatz an und programmiere mein Navi um. An einem kleinen Parkplatz in der Nähe des Bad Uracher Wasserfalls bekomme ich (es ist Sonntag) gerade noch den letzten Stellplatz.

Schlupfloch
Schlupfloch des Alpenbocks

Auf dem Weg, der am Parkplatz beginnt, untersuche ich jeden Buchenstamm intensiv. Denn der Merkspruch/die Volksweisheit:

„Vor  den  Eichen  sollst  du  weichen  und die Fichten wähl‘ mitnichten, auch die Weiden musst du meiden, aber Buchen  sollst  du  suchen“.

Fühler
Fühler des Alpenbocks
Fühler
Fühler des Alpenbocks

Die Beachtung dieser Volksweisheit ist im Falle eines Gewitters unter Umständen lebensgefährlich, aber zur Suche des Alpenbock-Käfers verbindlich. Denn der Alpenbock legt seine Eier fast ausschließlich in abgestorbene (z.B. gefällte!) Buchen. Dort entwickelt sich die Larve zum fertigen Käfer. Das dauert etwa drei bis vier Jahre, in denen sich die Larve durch das Totholz frisst und durch das selbst gefressene Schlupfloch ca. Anfang Juli quasi das Licht der Welt erblickt.  Zuerst die Männchen, später auch die Weibchen.

Fühler
Fühler des Alpenbocks
Fuß
Fuß des Alpenbocks
Fühler
Die Fühler des Alpenbocks
Alpenbock
Alpenbock

Ich suche also Buchen, wie sie im Buche stehen.

Alpenbock
Alpenbock
Alpenbock
Alpenbock

Bereits nach etwa 400 Metern entdecke ich ein kleines Männchen an der Stirnseite eines gefällten Buchenstammes. Es ist ca. 10:30 Uhr. Dies ist ungewöhnlich, denn die Käfer findet man üblicherweise am Nachmittag, wenn es besonders warm ist. Für den Besitzer der Stämme ist das eine kleine Katastrophe, weil er die Stämme aufgrund des Artenschutzes nun nicht mehr abtransportieren darf. Andererseits „selber schuld“, denn die Waldbesitzer sind angehalten, gefälltes Holz zügig und vor allem vor dem jährlichen Auftauchen des Alpenbocks abzutransportieren.

Es dauert nicht lange, da höre ich ein tiefes Brummen. Ein XL-Weibchen kommt angeflogen und paart sich mit dem Gnom. Das kann den stärkeren Männchen nicht gefallen. Ein großer Alpenbock hat Witterung aufgenommen, vertreibt den Gnom und kapert so das Weibchen. Trotz der hässlichen Milbe, die auf einer seiner Flügeldecken sitzt.

Alpenbock-Paarung
Alpenbock-Paarung
Alpenbock-Paarung
Alpenbock-Paarung
Alpenbock-Paarung
Alpenbock-Paarung
Alpenbock-Paarung
Paarung
Alpenbock-Paarung
Paarung
Alpenbock-Paarung
Paarung
Alpenbock-Paarung
Paarung
Alpenbock-Paarung
Paarung
Alpenbock
Paarung

Noch während das ein oder andere Männchen auf dem Rücken des Weibchens hockt, sucht das Weibchen mit seinem Legeapparat geeignete Spalten im Totholz, um dort jeweils ein Ei abzulegen.

Alpenbock - Auf der Suche nach geeigneter Eiablagemöglichkeit
Auf der Suche nach einer geeigneten Eiablagemöglichkeit
Legeapparat auf der Suche nach einer geeigneter Eiablagemöglichkeit
Legeapparat auf der Suche nach einer geeigneten Eiablagemöglichkeit
Alpenbock - Legeapparat auf der Suche nach einer geeigneter Eiablagemöglichkeit
Legeapparat auf der Suche nach einer geeigneten Eiablagemöglichkeit
Alpenbock - Legeapparat auf der Suche nach einer geeigneter Eiablagemöglichkeit
Legeapparat auf der Suche nach einer geeigneten Eiablagemöglichkeit
Alpenbock - Eiablage
Eiablage
Alpenbock - Eiablage
Eiablage

Die meisten der vielen vorüberziehenden Wanderer sehen zwar, dass ich da mit großem Aufwand irgendetwas fotografiere, erkennen aber nicht die Bedeutung dieses seltenen Insekts. Sehr oft wird der Alpenbock für eine Spinne gehalten:

„Oh, eine Spinne!“ oder: „Gefährlich?“ „Nein, selten.“

Wegen eines abendlichen Termins muss ich meine Fotosession mit dem Alpenbock gegen 14:45 Uhr leider abbrechen, denn die Rückfahrt nach Höchenschwand dauert ca. 2 Stunden und 40 Minuten.

Blick auf Bad Urach
Blick auf Bad Urach
Burgruine Hohenurach
Burgruine Hohenurach
Rutschenfelsen
Rutschenfelsen
Felsklamm Pfaffensteig
Felsklamm Pfaffensteig
Rotkehlchen in der Mauser
Junges Rotkehlchen
Rotkehlchen in der Mauser
Junges Rotkehlchen
 
Larve der Wipfel-Stachelwanze
Larve der Wipfel-Stachelwanze
 
Larve der Wipfel-Stachelwanze
Larve der Wipfel-Stachelwanze
Buchenstämme - Die Heimat des Alpenbocks
Buchenstämme – Die Heimat des Alpenbocks
Alpenbock-Fühler und Fliege
Alpenbock-Fühler und Fliege
Alpenbock-Fühler
Alpenbock-Fühler
Alpenbock-Revierkampf
Revierkampf

Zwei Tage später bin ich erneut vor Ort. Mehrfach laufe ich den Weg ab und untersuche die Buchenstämme. Erst gegen 14:30 Uhr finde ich den ersten Alpenbock. Direkt am Parkplatz! Es ist ein Weibchen. Drei Männchen patrouillieren an den gegenüberliegenden Kopfenden der Buchenstämme. Jedes Männchen hat einen Stamm für sich als Revier auserkoren. Ich kann sogar einen Revierkampf zwischen zwei Männchen beobachten. Wegen der ungünstigen Lichtverhältnisse ist es leider nicht möglich, ein scharfes Foto anfertigen.

Zwei Waldarbeiter treffen mit schwerem Gerät ein und sollen die Stämme anscheinend abtransportieren. Sie sind aber verunsichert, weil ich den Alpenbock dort entdeckt habe. Sie fragen mich, ob ich den Fund melden werde. Es wäre ja auch nicht ihr eigenes Holz. Natürlich melde ich den Fund, zumal ich ja jetzt durch den Stahlblauen Grillenjäger (siehe: „Grillenjäger und Russischer Bär – am Donaukloster“) die (hoffentlich) richtigen Kontakte habe.

Alpenbock

Alpenbock

Alpenbock

Alpenbock

Alpenbock

Alpenbock

Alpenbock

Alpenbock

Alpenbock

Alpenbock

Während die großen Männchen sich auf die Revierverteidigung konzentrieren, macht ein kleines Männchen sich auf den Weg zum Weibchen und paart sich mit ihm.

Alpenbock-Paarung
Paarung

Gerne wäre ich noch länger geblieben, aber das Grollen eines heranziehenden Gewitters zwingt mich zum Abbruch.

Ich bin gespannt, ob die Buchenstämme im nächsten Jahr noch an der gleichen Stelle liegen und ob deshalb der Fortbestand des Alpenbock-Käfers dort für die nächsten Jahre gesichert ist.

Alpenbock

Alpenbock

Alpenbock

 

Alpenbock

Alpenbock

4 Gedanken zu „Alpenbock ohne Alpen – die Buchen sollst Du suchen“

  1. Lieber Ronald,

    auf dem Weg an die Ostsee zum Wohlenberger Wiek lese ich Deinen Bericht von den Alpenböcken. Wunderschöne und rare Käfer in wundervollen Szenen und Licht eingefangen, ganz grossartig fotografiert, meinen Respekt!
    Ich lese hier regelmässig mit und freue mich über Deine humorvollen und liebevoll geschriebenen Berichte. Und vl. liest und sieht man sich wieder, würde mich sehr freuen.

    Liebe Grüße und weiter so feine und motivierende Erfolge,

    Andrea aus dem fernen Berlin…

    1. Liebe Andrea,
      schön, wieder einmal von Dir zu hören.
      Eigentlich hatte ich in diesem Jahr vor, im April/Mai zu den Großtrappen und an den Gülper See zu fahren. Aber dann kam Corona…
      Glücklicherweise bin ich bisher verschont geblieben.
      Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr mit Havelland und Co.
      Liebe Grüße aus der Nordeifel
      Ronald

    1. Liebe Heidi,
      vielen Dank für Deine neuesten Kommentare zu einigen meiner Berichte!
      Unter Naturfotografen ist der Alpenbock einer der bekanntesten und begehrtesten Objekte. Und sehr schwer zu finden.
      Liebe Grüße
      Ronald

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