Prinzip Focus-Stacking

Focus-Stacking Teil I – Einführung in die Focus-Stacking-Technik

Focus-Stacking ist ein beliebtes Verfahren, um den Schärfetiefenbereich insbesondere bei Makroaufnahmen zu erweitern. Der vorliegende dreiteilige Bericht erklärt Dir die grundlegende Technik des Focus-Stackings im Teil I, für Interessierte die spezielle Technik mit dem DSLR-Controller im Teil II und die Bildbearbeitung im Teil III.

Was ist Focus-Stacking?

Focus-Stacking ist eine Methode, um den Bereich der Schärfentiefe künstlich zu erweitern. Insbesondere in der Makro-Fotografie besteht das Problem, dass die Schärfentiefe oft viel zu gering ist. Du wirst mit herkömmlichen Methoden  z.B. nie einen Pilz komplett scharf darstellen können. Entweder legst Du die Schärfe auf den vorderen Hutrand, dann sind Hutspitze und Stiel unscharf oder Du setzt den Fokus auf die Hutmitte und hast einen unscharfen vorderen Hutrand.

Flaschen-Stäubling mit Focus-Stacking
Flaschen-Stäubling mit Focus-Stacking (67 gestackte Aufnahmen mit Blende 4)

Die Lösung des Problems: Focus-Stacking (auch Focus-Bracketing genannt). Du fotografierst den Pilz mehrfach, indem Du bei jedem Foto den Schärfepunkt ein kleines Stück versetzt. Z.B. fokussierst Du beim ersten Foto den vorderen Hutrand, beim zweiten Foto die Hutmitte und beim dritten Foto den hinteren Hutrand. Je kleiner die Fokus-Schritte (und damit je größer die Anzahl der Fotos), desto besser die Qualität des späteren Bildes. Die so erzeugte Fotoserie muss nun analysiert und die scharfen Bereiche müssen zu einem neuen Bild zusammengefügt werden. Diese komplizierte Aufgabe übernehmen für uns spezielle Bildbearbeitungs-programme wie Helicon Focus Pro oder Photoshop. Vergleichst Du die beiden unten gezeigten Fotos vom Flaschen-Stäubling dann wirst Du feststellen, dass das erste Bild nur im vorderen Bereich (Kleeblatt und vorderer Hutrand) Schärfe hat, das zweite Bild nur im hinteren Bereich. Die 65 Aufnahmen dazwischen erspare ich Dir. Das Stacking-Ergebnis aus den insgesamt 67 Aufnahmen siehst Du oben im Bild.

Flaschen-Stäubling unbearbeitet Foto 1 von 67
Flaschen-Stäubling unbearbeitet Foto 1 von 67 (Schärfe liegt auf dem Vordergrund)
Flaschen-Stäubling unbearbeitet Foto 67 von 67
Flaschen-Stäubling unbearbeitet Foto 67 von 67 (Schärfe liegt auf dem oberen/hinteren Hutrand)

 

Welche Objekte eignen sich für das Focus-Stacking?

Nur unbewegte Objekte. Auch darf die Kameraposition während der Fotoserie nicht verändert werden. Alle Fotos der Serie werden ja im Bildbearbeitungsprogramm quasi übereinandergelegt und ein Bildbereich/-ausschnitt des obersten Fotos mit exakt dem gleichen Bildbereich/-ausschnitt der darunter liegenden Fotos verglichen und der schärfste Bildbereich/-ausschnitt wird verwendet. Bewegte Objekte (beispielsweise ein Halm im Wind) erzeugen später sog. Geisterbilder. Auch ein Insekt, das Dir während der Fotoserie durch das Bild läuft, erscheint auf dem endgültigen Stacking-Bild als ein ganzer Schwarm.

Manchmal lassen sich Geisterbilder/Unschärfen allerdings nicht vermeiden, da sich durch das Fokussieren auch die Perspektive ein klein wenig verschiebt. Das passiert insbesondere bei sehr tiefen Objekten, wie z.B. beim Stacking der folgenden Figurengruppe. Im gestackten Bild erkennst man sehr deutlich einen Geisterbildansatz links neben dem Jungen im Vordergrund.

Figurengruppe Vordergrund
Figurengruppe Vordergrund
Figurengruppe Hintergrund (Schärfe auf Tannenbaumspitze hinten links)
Figurengruppe Hintergrund (Schärfe auf Tannenbaumspitze hinten links)
Figurengruppe gestackt
Figurengruppe gestackt

 

„Fokus-Löcher“ (unscharfe Bereiche) können auch das Ergebnis von zu groben Fokus-Schritten sein.   

Was brauchst du für das Focus-Stacking?
Mindestanforderung:
  • Digitale Kamera
  • Stativ
  • Bildbearbeitungs-Software, die Focus-Stacking unterstützt
Sinnvolles Zubehör:
  • Ersatz-Akku (gerade dann, wenn Du im Live-View-Modus arbeitest, zieht die Kamera viel Strom)
  • Ersatz-Speicherkarten (die Größe mehrerer Fotoserien sorgt ggf. schnell für eine volle Karte)
  • Smartphone oder Tablet (ggf. mit Ersatzakku oder mobilem Ladegerät)
  • Focus-Stacking unterstützende Fernsteuer-App für Dein Smartphone (muss kompatibel mit dem Smartphone/dem Tablet und Deiner Kamera sein!).
  • Ggf. USB-OTG-Kabel zur Verbindung von Smartphone/Tablet und Kamera, falls App und Kamera keine WLAN-Unterstützung bieten (wichtig: Es reicht kein normales USB-Kabel, sondern es muss ein sog. USB-OTG-Kabel sein!)

Für mein Samsung S4 und meine Canon DSLR habe ich mir die App „DSLR-Controller“ zugelegt. Die App ist äußerst komfortabel, unterstützt USB und WLAN und erleichtert gerade im Makro-Bereich die Arbeit enorm. Auch bei Aufnahmen ohne Focus-Stacking. Das Geld für diese App (sie kostet inzwischen 8,99 Euro) ist in jedem Fall gut angelegt. Wie Du Focus-Stacking-Aufnahmen mit dem DSLR-Controller bewerkstelligst, zeige ich Dir im Teil II. Hier erst einmal die manuelle Vorgehensweise:

Die Vorgehensweise bei manuellen Focus-Stacking-Aufnahmen:
  • Kamera einstellen (Blende/ISO/Verschlusszeit)
  • Autofokus ausschalten
  • Kamera ausrichten
  • Vordersten Fokuspunkt einstellen und auslösen
  • Nächsten Fokuspunkt einstellen und auslösen. Dabei immer peinlichst genau darauf achten, dass die Ausrichtung der Kamera sich nicht ändert!
  • Nächsten Fokuspunkt einstellen und auslösen usw., bis der letzte gewünschte Fokuspunkt erreicht ist
  • Die so erstellten Fotos in der Bildbearbeitung automatisch „stacken“ lassen (siehe Teil III)

Wenn Du von einem Motiv mehrere Stacking-Serien anfertigst oder eine angefangene Serie abbrichst, weil Du vielleicht die Kamera doch noch ein wenig anders ausrichten willst, dann fotografiere vor und nach der Serie ein Abgrenzungsbild. Das kann ein Dunkelfoto sein, oder Du hältst die Hand vor das Objektiv oder was auch immer. Das wird Dir später in der Bildbearbeitung die Abgrenzung der Bilderserien voneinander sehr viel einfacher machen!

Ich höre Dich schon fluchen, weil es Dir doch immer wieder passiert, dass Du trotz Verwendung eines Stativs ungewollt die Kameraausrichtung änderst. Jetzt wird es Zeit zu überlegen, ob Du Dir nicht doch eine Fernsteuer-App zulegst. Nicht nur, dass Du damit die Kamera berührungsfrei steuern kannst, Du hast es auch viel einfacher bei der Ausrichtung der Kamera in Bodennähe, denn Du brauchst weder auf den Kamera-Bildschirm, noch durch den Sucher zu schauen.

Wenn Du den DSLR-Controller nutzen möchtest, dann lies Teil II dieser „Focus-Stacking-Trilogie“, ansonsten gehe direkt zu Teil III über, wo ich Dir kurz erkläre, wie Du Deine Fotoserie stacken kannst.

Focus-Stacking Teil II – Focus-Stacking mit DSLR-Controller

Focus-Stacking Teil III – Focus-Stacking Bildbearbeitung

Ein Gedanke zu „Focus-Stacking Teil I – Einführung in die Focus-Stacking-Technik“

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