Canon-Objektive an Astro-Kamera

Canon-Objektive an Astro-Kameras – Adapter-Test

Die Ansprüche an die Astrofotografie-Ausrüstung steigen sehr schnell, hat man erst einmal Blut geleckt. Kaum habe ich mir einen Tracker geleistet, um meine Kamera bei der Astrofotografie nachführen zu können, da liebäugle ich bereits mit einer kleinen Astro-Kamera. Aber wie kann ich bei dieser meine Canon-Objektive nutzen? Inzwischen besitze ich zwei passende Adapter. Meine Erfahrungen damit möchte ich hier beschreiben.

Warum Canon-Objektive an Astro-Kameras? Für die Deep-Sky-Fotografie können „normale“ Kameras (DSLRs) durchaus genutzt werden. Sie haben jedoch einen Nachteil: Technisch bedingt filtern sie bestimmte Farben weitgehend heraus. Insbesondere rot leuchtende kosmische Nebel können mit Astro-Kameras schöner abgebildet werden. Klar, man kann seine DSLR astromodifizieren (lassen). Eine Verwendung astromodifizierter DSLRs in der Tageslichtfotografie ist danach kaum noch vernünftig möglich. Dazu sind mir meine guten DSLRs zu schade. Deshalb entschließe ich mich, mir für den Preis einer Astromodifikation lieber eine kleine Astro-Kamera zu kaufen.

ZWO ASI178MC mit Adapter TSEOS-T2
ZWO ASI178MC mit Adapter TSEOS-T2
ZWO ASI178MC mit Adapter TSEOS-T2
ZWO ASI178MC mit Adapter TSEOS-T2

Meine Wahl zum Betrieb meiner Canon-Objektive an Astro-Kameras fällt auf die ZWO ASI178MC. Eine kleine Farbkamera, die ich später auch als Guiding-Kamera nutzen kann. Die ASI178MC ist ungekühlt, hat eine Pixelgröße von 2,4 μm und wegen des sehr kleinen Sensors einen Cropfaktor von 4,88!

Die Frage ist nun: Wie kann ich eine solche Kamera mit meinen EOS-Objektiven nutzen? Die Lösung: Adapter, die auf der Teleskop-Seite ein EOS-(EF-)Bajonett und auf der Kameraseite ein T2-Gewinde besitzen.

In Russland gibt es Adapter, welche die Elektronik der EOS-Objektive per PC ansteuern und auf diese Weise Fokus und Blende beeinflussen können. Leider sind diese komfortablen Adapter offensichtlich aufgrund der Ukraine-Sanktionen gegen Russland nicht mehr erhältlich. Deshalb ist beim Betrieb  „Canon-Objektive an Astro-Kameras“ folgendes zu beachten:

  • Irgendwo habe ich gelesen, dass STM-Objektive ohne elektronische Anbindung nicht manuell fokussiert werden können. Wenn diese Information stimmt, ist die Kombination der STM-Objektive mit Adapter und Astro-Kamera nicht möglich.
  • Original EOS-Objektive haben keinen manuellen Blendenring. Das Entfernen des Objektivs bei ausgeschalteter DSLR bewirkt stets, dass am Objektiv die größte Blende (Offenblende) eingeschaltet ist. Möchtest Du am Adapter/an der Astrokamera eine bestimmte Blende verwenden, musst Du sie an der DSLR einstellen und das Objektiv bei eingeschalteter DSLR und gedrückter Blendentaste (Schärfentiefe-Prüftaste) von der Kamera entfernen.
  • Das Auflagemaß des Canon-EOS-Systems beträgt 44 mm. Die Objektive sind also so gerechnet, dass sie vom Bajonett-Anschluss bis zum Sensor 44 mm Abstand brauchen. Ist der Abstand größer, kann nicht mehr auf unendlich fokussiert werden. Ist der Abstand geringer, wird die Nahgrenze nicht erreicht bzw. der Fokuspunkt bereits einiges vor der Unendlich-Markierung erreicht. Das bedeutet, dass die 44 mm nicht überschritten werden dürfen (eher noch ein wenig unterschritten), weil sonst die für die Astrofotografie so wichtige Unendlich-Fokussierung nicht mehr möglich ist.   
Adapter TSEOS-T2
TSEOS-T2-Adapter auf eine optische Länge von 31,5 mm eingestellt.
TSEOS-T2-Adapter auf eine optische Länge von 31,5 mm eingestellt.

Mein erster Adapter ist ein mehrteiliger. Das Auflagenmaß der EOS-Kameras beträgt, wie bereits erwähnt, 44 mm, der Arbeitsabstand der ASI178MC 12,5mm. Folglich muss der Adapter 31,5 mm überbrücken. Da ich irgendwo gelesen habe, dass es manchmal Schwierigkeiten mit Konvertern fester Breite gibt, bestelle ich mir sicherheitshalber einen flexiblen Adapter, den ich selbst justieren kann. Es handelt sich um den „TSEOS-T2“, den es offenbar nur beim Teleskop-Service/Teleskop-Express gibt. Der Adapter kann zwischen 26mm und 33mm eingestellt werden. Für meine ASI178MC muss ich den Adapter auf 31,5mm einstellen. Für größere Astro-Kameras mit 17,5mm Arbeitsabstand ist eine Einstellung des Adapters auf 26,5mm notwendig.

Canon-Objektive an Astro-Kameras
Canon 100mm Macro an ZWO ASI178MC
Canon-Objektive an Astro-Kameras
Canon 100mm Macro mit Mengs-Stativring

Der Adapter hat keinen Stativfuß. Somit können nur Canon-Objektive an Astro-Kameras mit Stativschelle betrieben werden. Deshalb habe ich mir für mein EF 100mm Makroobjektiv (eignet sich hervorragend für die Deep Sky-Fotografie) und für die kurzbrennweitigen Samyang- und Sigma-Objektive entsprechende Stativschellen (gibt es z.B. günstig im Internet von „Mengs“) zugelegt.

Canon-Objektive an Astro-Kameras
Sigma 20mm mit Mengs-Stativring und ASI178MC
Canon-Objektive an Astro-Kameras
Sigma 20mm mit Mengs-Stativring und ASI178MC.
Der Stativring passt nicht ganz so optimal, wie der Ring am 100mm Macro. Vorsicht ist geboten.

Die Stativschellen lösen noch ein anderes Problem: Die Drehung der Kamera. Man hat kaum Einfluss darauf, wie die Kamera ausgerichtet ist, wenn man sie auf den Adapter schraubt. Ich drehe das gesamte Konstrukt in der Stativschelle anfangs immer so, dass die Beschriftung auf der Rückseite der Kamera gut waagerecht bzw. senkrecht ausgerichtet ist. Damit habe ich es leichter, die Kamera auf ein Objekt auszurichten, weil im Bild dann Oben auch oben, Rechts auch rechts usw. ist. Später drehe ich das Ganze ggfls. noch für den gewünschten Bildaufbau.

Zu beachten ist beim Anflanschen der Canon-Objektive an Astro-Kameras, dass diese sich offensichtlich in zwei Positionen im Adapter anbringen lassen. Allerdings ist nur diejenige richtig, in der das Objektiv auch letztendlich einrastet!   

Da sich mit einem Duo-Narrowband-Filter viele Deep Sky-Objekte noch wesentlich besser  herausarbeitenlassen, kaufe ich mir den Optolong L-Extreme in der 2“-Ausführung. Genial ist, dass sich 2“-Filter in den Adapter einschrauben lassen!

Samyang-Objektive an Astro-Kameras
Adapter für das Einschrauben des Filters zerlegt
Eingeschraubter 2"-Filter
Eingeschraubter 2″-Filter

Weniger genial ist, dass der Adapter dafür leider auseinandergeschraubt werden muss und dabei die Justierung (der Konterring) sehr schnell versehentlich verstellt werden kann. Außerdem stimmt nach dem Zusammenschrauben oft die Ausrichtung der Kamera nicht mehr. Zudem besteht immer die Gefahr, dass beim Schrauben in der Dunkelheit irgendein Teil in das nasse Gras oder auf den schmutzigen Boden fällt. Schade um den teuren Filter oder die Kamera…

Der Ausweg: Eine Filterschublade.

Adapter Artesky Filterschublade mit Canon-Adapter

Eigentlich will ich mir eine größere Astro-Kamera kaufen (wie gesagt, die Ansprüche steigen rasant). So gerne hätte ich mir eine QHY268C zugelegt. Gemeinsam mit Herrn B. von astrolumina.de haben wir eine Lösung gesucht, die Kamera mit EOS-Objektiven und Filterschublade (!) zu betreiben (Kompliment an Herrn B. von astrolumina für die prompte und sehr engagierte Beratung!). Aber leider gibt es derzeit (Stand Dezember 2021) keine Möglichkeit. EOS-Objektive funktionieren zwar per QHY-EOS-Adapter an der QHY268C. Gefasste Filter (wie der L-Extreme von Optolong) können jedoch nur mit mehreren Schrauben in der QHY-Adapterkonstruktion befestigt werden. Damit ist ein Filterwechsel m Falle der EOS-Objektiv-Adaption nur umständlich durch das Aufschrauben der Konstruktion möglich. Filterschubladen für gefasste Filter dagegen würden das Maß von 44mm zwischen Sensor und EOS-Objektivbajonett überschreiten. Schade! Die QHY268C war sogar vorrätig und zudem noch stark vergünstigt.

Ich werde mir also eine andere Kamera kaufen müssen (inzwischen habe ich mich für die Omegon veTec571C entschieden).    

Canon-Objektive an Astro-Kameras
Astro-Kamera an Artesky-Adapter. Man sieht hier, dass die angeschraubte Astro-Kamera nicht richtig ausgerichtet ist. der USB 3-Anschluss müsste bei richtiger Ausrichtung unten sein (zum Stativfuß zeigen).

Vorab habe ich mich zum Anschließen der Canon-Objektive an Astro-Kameras für die Filterschublade mit Canon-Adapter von Artesky entschieden, die an meine ASI178MC und ggfls. an eine spätere Kamera (ZWO, Omegon usw.) mit T2-Gewinde und 17,5mm Arbeitsabstand passt. Das Artesky-Teil wird von den bekannten Astronomie-Fachhändlern angeboten. Wie vorsichtig man auf jeden Fall mit Aussagen wie „…passend für alle Kameras mit 17,5mm Arbeitsabstand oder kürzer, z.B.  ZWO ASI, QHY, …“ sein muss, zeigt meine Recherche mit der QHY268C, die zwar auch einen Arbeitsabstand von 17,5mm hat, aber ein M54 Gewinde besitzt. Durch die notwendige M54 zu T2-Adaption kann das Auflagemaß von 44mm nicht mehr eingehalten werden!

Für meine ASI178MC mit 12,5mm Arbeitsabstand benötige ich zusätzlich zum Artesky-Adapter einen 5mm T2 Abstandsring. Die optische Baulänge des Adapters beträgt lt. Hersteller 26,8mm. Das wären eigentlich 0,3mm zu viel (26,8mm Adapter + 5mm Verlängerung + 12,5mm Arbeitsabstand ASI178MC = 44,3mm). Dies scheint allerdings noch innerhalb der möglichen Toleranz zu liegen, denn die Fokussierung funktioniert bei mir einwandfrei.

Der Adapter ist mit einem Arca-Swiss-kompatiblen Stativfuß ausgestattet, der zudem noch 4 Gewindelöcher für ¼“ Fotoschrauben (Stativgewinde)  enthält.

Canon-Objektive an Astro-Kameras
Samyang-Objektiv an Astro-Kamera mit Artesky-Adapter
Canon-Objektive an Astro-Kameras
Canon-Objektiv an Astro-Kamera mit Artesky-Adapter

Da die Kamera nach dem Anschrauben an den Adapter nicht richtig ausgerichtet ist (dasselbe Problem wie beim Adapter TSEOS-T2), ist eine Rotation der gesamten Optik in der Regel notwendig. Dies ist allerdings bei Verwendung des Stativfußes nicht möglich. Es bleibt die Lösung mit (zusätzlichen) Stativschellen, wie ich weiter oben beschrieben habe.

Der Artesky-Adapter wird mit 2 Einsätzen (Schubladen) für 2“-Filter geliefert. Weitere können bei Bedarf nachgekauft werden. Ich nutze den Komfort, zuerst bspw. mit einer filterlosen Schublade zu fotografieren, diese dann gegen die andere, mit dem Duo-Narrowband-Filter bestückte, ganz einfach auszutauschen.

Wer eine Astrokamera ohne IR/UV-Sperre hat, wird sicherlich die eine Schublade mit einem IR/UV-Sperrfilter nutzen und die andere für einen Schmalbandfilter o.ä. Da meine Kameras eine IR/UV-Sperre besitzen, habe ich den zweiten Einschub mit einem neutralen Optolong-Filterglas belegt, welches die gleiche Glasdicke wie der L-Extreme-Filter besitzt. Damit vermeide ich größere Fokus-Korrekturen beim Filterwechsel.

Selbst dann, wenn der Adapter auf dem Kopf steht, fällt die Schublade nicht heraus, weil sie durch Magnete gehalten wird.

Meine Tests mit einer Taschenlampe direkt an der Filterschublade ergaben, dass diese lichtdicht ist.

Fazit:

Die beiden Adapter tun, was sie sollen. Bei Verwendung von Filtern ist der wesentlich teurere Artesky-Adapter auch wesentlich komfortabler. Ich stelle fest, dass bei Verwendung von Filtern eine Lösung mit Filterschubladen fast unentbehrlich ist. Bei beiden Adaptern würde ich mir einen integrierten (manuellen) Rotator wünschen.

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