Herz- und Seelen-Nebel - IC1805 und IC1848 als SHO-Fehlfarben-Bild

Herz- und Seelen-Nebel IC1805/IC1848 – Bilder und Workflow

Herz- und Seelen-Nebel IC1805/IC1848, sind markante Emissionsnebel im Sternbild Kassiopeia, dem „Himmels-W“. Neben allgemeinen Informationen werde ich später in diesem Bericht auch den Arbeitsablauf (Workflow) der Bildbearbeitung für Interessierte erklären. Ebenfalls habe ich Links zu den verwendeten Tools eingefügt.

Herz- und Seelen-Nebel IC1805/IC1848 werden zwar als IC1805 und IC1848 bezeichnet, aber eigentlich ist das nicht richtig, denn IC 1805 ist der offene Sternhaufen im Zentrum des Herz-Nebels und IC 1848 der offene Sternhaufen im Rumpf des Seelen-Nebels. Der Herz-Nebel ist ca. 6.500 Lichtjahre, der Seelen-Nebel ca. 7.500 Lichtjahre von uns entfernt.

Bei beiden Nebeln handelt es sich um Emissions-Nebel, also um interstellare Gasnebel, die Licht unterschiedlicher Farbe aussenden. Dazu gehören vor allem rot leuchtender ionisierter Wasserstoff (Hα), rot leuchtender ionisierter Schwefel (SII) und blau-grün leuchtender ionisierter Sauerstoff (OIII).

Um die in roter Farbe leuchtenden Nebel (SII und Hα) in Bildern des Hubble-Teleskops auseinanderhalten zu können, haben NASA-Wissenschaftler die sog. Hubble-Palette entwickelt.  SII wird dort die Farbe Rot, Hα grün und OIII blau zugeordnet. Da rot und grün gelb ergibt, deuten gelbe Bereiche in Fotos der Hubble-Palette z.B. darauf hin, dass es sich um ein Gemisch aus SII und Hα handelt.

Zwei Bilder habe ich vom Areal „Herz- und Seelen-Nebel IC1805/IC1848“ erstellt: Ein normales Farbbild (RGB-Bild)  ohne Filter, das überwiegend nur rote Bereiche der Nebel darstellt (nur diese darstellen kann), aber die Sterne entsprechend bunt zeigt. Das zweite Bild wurde aus drei Schwarzweiß-Bildern zusammengestellt, nämlich aus einem SII-gefilterten, einem Hα-gefilterten und einem OIII-gefilterten, denen ich die entsprechenden Farben der Hubble-Palette zugeordnet habe.

Herz- und Seelen-Nebel - IC1805 und IC1848
Herz- und Seelen-Nebel IC1805/IC1848 als RGB-Bild

Herz- und Seelen-Nebel – IC1805 und IC1848 als beschriftetes RGB-Bild
Herz- und Seelen-Nebel - IC1805 und IC1848 als SHO-Fehlfarben-Bild
Herz- und Seelen-Nebel IC1805/IC1848 als SHO-Fehlfarben-Bild

Herz- und Seelen-Nebel – IC1805 und IC1848 als beschriftetes SHO-Fehlfarben-Bild

Zum Ablauf des Pre- und Postprocessings: Das Stacking habe ich komplett mit EasyStack für Siril durchgeführt, weil das schnell und kinderleicht geht. Alle Aufnahmenächte einer Filter-Kategorie (RGB, Dualbandfilter Hα-OIII, Dualbandfilter SII-OIII und Schmalbandfilter SII) habe ich gesondert gestackt (inkl. Kalibrierung natürlich und inkl. 2-fachem Drizzlen). Die Schmalband-Aufnahmen wurden beim Stacken mit EasyStack gleichzeitig gesplittet. Die beiden daraus resultierenden SII- und die beiden OIII-Ergebnisse habe ich dann jeweils noch einmal mit EasyStack gestackt (ohne Kalibrierung und Drizzle natürlich, da dies bereits im ersten Stacking-Vorgang erledigt wurde).

Dann habe ich das RGB-Ergebnis von Stacking-Rändern befreit, mit GraXpert AI geglättet und mit dem BlurXTerminator korrigiert. Die Sternenkorrektur mit dem BlurXTerminator ist bei meinen Bildern absolut notwendig, da ich überwiegend Canon-Objektive benutze, die keinen Korrektor besitzen und zu den Rändern hin Sternverzerrungen aufweisen. Nach der Farbkalibrierung mit SPCC in Pixinsight wurde das RGB-Bild mit dem Prozess „Multiscale Adaptive Stretch“ gestreckt, mit dem StarXTerminator von den Sternen getrennt, mit „Curves“ in PixInsight noch ein wenig aufgepeppt. In Photoshop wurde das sternenlose Bild mit APF-R geschärft und wieder mit den Sternen zusammengeführt (Sternenbild-Ebene negativ multipliziert und Deckkraft verringert).

Die RGB-Sterne und die drei Schmalband-Bilder habe ich mit EasyStack aufeinander ausgerichtet. Dazu wurden die vier Aufnahmen (Fits-Dateien) in das „tiles“-Verzeichnis des EasyStack-Arbeitsverzeichnisses kopiert, in EasyStack ausgewählt und mit der Schaltfläche „nur ausrichten“ aufeinander registriert.

Natürlich hätte ich das Registrieren auch in PixInsight durchführen können. In PixInsight habe ich die vier aufeinander registrierten Bilder mit dem Prozess „Dynamic Crop“ noch einmal identisch beschnitten. Dazu wird der Crop-Bereich in einem der Bilder markiert, die Crop-Instanz (kleines Dreieck) zuerst auf die drei anderen Bilder gezogen (die damit beschnitten werden), bevor das Häkchen im Dynamic-Crop-Panel angeklickt wird und das Bild mit dem markierten Crop-Bereich ebenfalls beschnitten wird. Auf diese Weise bleiben auch nach dem Croppen alle Bilder aufeinander registriert.

Mit dem StarXTerminator wurden danach die drei Schmalband-Aufnahmen von den Sternen befreit, mit dem LayerMix-Script von Daniel Nimmervoll zu einem RGB-Bild der SHO-Hubble-Palette zusammengeführt und anschließend gestreckt.

Mit der Narrowband-Neutralization von Bill Blanshan und anschließender Bearbeitung mit dem „Curves“-Prozess unter Verwendung der Yellow- und Blue-Masken von Bill Blanshan wurde das SHO-Bild verbessert. Die PixInsight-Icons der Color-Masken von Bill Blanshan können hier heruntergeladen werden (1 Klick genügt): ColorMasks von Bill Blanshan.

Die Schärfung mit APF-R und die anschließende Verbindung mit den RGB-Sternen wurde in Photoshop durchgeführt.

Die Beschriftung des RGB- und des SHO-Bildes erfolgte mit dem Annotation-Script in Pixinsight.

In Lightroom wurden die Bilder noch einmal ein wenig aufgepeppt und archiviert. Außerdem nutze ich Lightroom für die Aufbereitung zur Veröffentlichung auf meiner WebSite.

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