Bereits im vorigen Jahr, als Florian und ich auf der Rückfahrt von Helgoland waren (siehe: „Hochseeinsel Helgoland – Natur bei herrlichstem Wetter“), haben wir uns vorgenommen, eine mehrtägige Ochsentour durchs Ochsenmoor zu machen. Mein letzter Besuch dort war vor vier Jahren.
Vor der mehrtägigen Ochsentour durchs Ochsenmoor mit Florian, absolviere ich mit Peter eine Tagestour an den Dümmer, an dem das Ochsenmoor liegt. Es ist diesmal anders als in der Vergangenheit. In den früheren Jahren drehte die Autokarawane der Fotografen ihre Runden. Fotografiert wurde aus dem Fahrzeug heraus, was die Tiere kaum störte.
Heute werden wir von einigen der vielen Fußgänger-FotografInnen angemacht, warum wir mit dem Auto fahren und fotografieren, wir würden damit die (relativ zu früher wenigen) Tiere vertreiben…
Da ich das Ochsenmoor seit vielen Jahren kenne, hege ich die These, dass die Vögel sich überwiegend in das Innere des Gebietes verzogen haben, um vor Fußgängern ungestört zu sein.




Sobald man mit dem Auto alleine in einem Streckenabschnitt ist, kann man (wie früher) die eine oder andere Uferschnepfe auf den Zaunpfählen fotografieren. Aber sie sind leider scheuer geworden und fliegen (auch im Gegensatz zu früher) schneller davon. Kiebitze sind häufig zu sehen, aber auch nicht mehr so nahe an der Straße des Rundparcours. Balzende Rotschenkel können wir ablichten. Und ab und zu erwischen wir auch einen einzelnen Kampfläufer, die in den vergangenen Jahren stets zu fünft, zehnt oder sogar in 20iger-Trupps auftauchten. Den Kampfläufern ragen teilweise noch die Federkiele aus dem Hals, das Prachtkleid, das sie für ihre Balzkämpfe brauchen, ist noch nicht ausgebildet. Am Ende des Tages entdecken wir jedoch einen, der federkleidmäßig bereits etwas weiter ist.
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Am übernächsten Tag fahre ich mit Florian noch einmal Richtung Dümmer. Wir haben drei Übernachtungen für unsere Ochsentour durchs Ochsenmoor gebucht, also viel Zeit für Entdeckungen. Übrigens hat der deutsche Dümmer nichts mit dem amerikanischen(!) Film „Dumm und Dümmer“ zu tun.

Das Wetter ist an diesem Montag kalt und regnerisch. Das sollte sich glücklicherweise ab dem nächsten Tag radikal ändern. Jenseits des Straßengrabens entdecken wir verlassene Graugans-Nester mit Gelege. Vermutlich sind die Eltern beim Frühstück. Aufgrund des Montags und des Wetters ist es relativ ruhig auf der Piste, so dass wir aus dem Fahrzeug heraus einiges an Vögelchen auf Pfählen und Zäunen ablichten können.
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Bei einer der nächsten Runden hören wir den Ruf des großen Brachvogels. Tatsächlich entdecken wir ihn. Es sind sogar zwei, die uns eine ausgiebige Prügel-Show bieten.
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Ich erzähle Florian, dass ich auf dem Damm am Aussichtsturm des Dümmer-Südufers vor Jahren Rohrweihen beobachtet habe. Wir halten am Turm, und kaum sind wir auf dem Damm angekommen, können wir tatsächlich wieder ein Rohrweihen-Pärchen beobachten! Wir werden in den nächsten Tagen diesen Ort immer wieder besuchen.
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Im Turm bauen Rauchschwalben ihre Nester, das Nistmaterial holen sie im Schlamm am Straßengraben.


Die nächsten Tage beginnen um 05:30 Uhr mit einem kleinen Frühstück beim Bäcker in Lemförde. So sind wir pünktlich zum Sonnenaufgang wieder auf der Piste im Ochsenmoor, um unsere Runden zu drehen.

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Im Morgenlicht leuchtet herrlich das prächtige Gefieder der vielen Jagdfasane, die es hier gibt. Auf dem Teller sehen sie dann nicht mehr so prächtig aus. Dafür sollen sie aber ausgezeichnet schmecken. Florian und ich schießen sie allerdings nur mit der Kamera ab. So auffallend schön sind wieder einmal nur die Männchen. Wie sollte es auch anders sein…
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Eigentlich sind wir wegen der Kampfläufer hier. Aber es ist offensichtlich noch zu früh im Jahr, um sie im voll ausgebildeten Kampfanzug zu sehen. Bei einigen kann man aber bereits deutlich den Beginn der Balzzeit erkennen.
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An der Naturschutzstation parken wir und gehen vorbei am Naturgarten mit seltsamen „Ziegenschafen“ oder „Schafziegen“ Richtung des großen Beobachtungsturms. Am weit entfernten Fischadlerhorst können wir eine Paarung der Fischadler miterleben. Allerdings zu weit entfernt, für ein gutes Foto.


Wir kehren um und drehen eine Runde bis zum Waldparkplatz. Durch den morastigen Waldpfad, von dem aus man im März die Moorfrösche beobachten kann, bewegen wir uns erneut Richtung großem Aussichtsturm. Im Wasser am Turm schwimmt eine Blässhuhnfamilie, und am Erlenbruch hören wir den Ruf des Kuckucks. Schließlich können wir ihn sogar fotografieren!


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Ein besonderer Anziehungspunkt für die Fotografen sind die Streitereien der Kiebitze. Nicht nur, dass sie Möwen und andere Vögel aus Angst um ihr Gelege angreifen, sie zanken sich auch untereinander und führen dabei die tollsten Flugmanöver aus.
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Angehasst werden aber auch die Greifvögel, wie z.B. der Seeadler, der allabendlich gegen 19 Uhr vom Dümmer her über das Ochsenmoor zieht.
Wir haben sogar das Glück, ein Seeadler-Pärchen zu entdecken, das sich im Moor kurz niederlässt und dann gemeinsam weiterfliegt.


An einem Abend bei den Rohrweihen kommen wir mit Dagmar ins Gespräch, die nicht nur fotografiert, sondern auch in ihrem eigenen Atelier Gemälde, überwiegend von Tierportraits erstellt. Ich wäre froh, so fotografieren zu können, wie sie mit Pinsel und Farbe malt…
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Am nächsten Tag unserer Ochsentour durchs Ochsenmoor treffen wir Dagmar wieder. Sie zeigt uns die Blaukehlchenstelle und fährt mit uns Richtung Lembruch zu einer uns noch unbekannten Beobachtungshütte. Sie berichtet uns, dass es im Olgahafen leckere Fischbrötchen gibt. Nachdem sie uns noch zu einem Fischadlerhorst führt, möchte ich unbedingt vom Fischadlernest zum Fischbrötchennest. Wir fahren also gemeinsam zum Olgahafen, wo wir uns stärken.
Nachmittags versuchen wir noch einmal, wie am Vortag, die Jagdfasane bei dem Zinnober abzulichten, den sie gleichzeitig mit dem Balzruf aufführen. Es gibt unglaublich viele Fasane im und um das Ochsenmoor herum. Ihr leuchtendes Gefieder im Abend- oder Morgenlicht ist schon beeindruckend!
Die Sonne ist bereits untergegangen und wir drehen unsere letzte Runde im Ochsenmoor, bevor wir uns auf den Heimweg machen. Gegen 0:30 Uhr treffen Florian und ich bei mir zu Hause ein.


Ca. 6000 Fotos habe ich im Laufe der Ochsenmoortage geschossen. Jetzt beginnt die Sichtung und die Löschorgie. Es gibt viel zu tun…
Acht Wochen sind inzwischen seit unserer Ochsentour durchs Ochsenmoor vergangen, in denen wir einige andere Hotspots besucht haben, z.B. das Dreizähnige Knabenkraut in der Nähe von Kassel, die Orchideen-Spezialitäten im Elsass und den Moselapollo zwischen Cochem und Winningen. Wir entschließen uns, noch einmal ein paar Tage ins Ochsenmoor zu fahren. Vor allem, um die Beuteübergabe der Rohrweihen in der Luft zu fotografieren. Außerdem sind ein Zwergsumpfhuhn und ein Rallenreiher gemeldet worden.
Tagsüber waren Florian und ich mit Klaus an der Mosel. Heute Nacht um 3 Uhr (ich habe so gut wie nicht geschlafen) geht es Richtung Dümmer, wo wir gegen 6 Uhr ankommen. Das Gras ist inzwischen sehr hoch, so dass die Vögel dort nicht zu sehen sind. Fotografen sind quasi auch keine da. Deshalb können wir einige Vögel auf den Zaunpfählen ablichten. Dabei sind die inzwischen eingetroffenen Bekassinen das Highlight. Die Kampfläufer sind nicht mehr da. Sie sind längst weiter Richtung Norden in ihre Brutgebiete gezogen.
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Bei den Rohrweihen angekommen, können wir eine Beuteübergabe beobachten. Ausgerechnet in diesem Augenblick aber ist der Akku meiner Kamera leer…
Weitere Übergaben finden in den nächsten Stunden nicht statt. Stattdessen fliegen die Rohrweihen ohne Übergabe, direkt mit der Beute in das Nest.
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Drei Hermeline wieseln über den Damm. Auch nicht fotografierbar. Wir sehen nur noch, wie sich das hohe Gras im Graben bewegt, den sie entlanglaufen.
Wir drehen noch einige Runden, warten auf das Zwergsumpfhuhn und versuchen, den Rallenreiher zu finden. Vergeblich. Nicht nur uns macht die unerträgliche Hitze zu schaffen, sondern offenbar auch den Tieren. Bei mir kommt noch die Müdigkeit dazu. Aber das gehört zu einer Ochsentour durchs Ochsenmoor.

Am späten Nachmittag denken Florian und ich das Gleiche: Abbruch des Besuchs. Heute Nacht werden wir zurückfahren und noch einmal den Moselapollo besuchen.
Eigentlich wollte Dagmar am nächsten Tag zu uns stoßen. Ich teile ihr mit, dass wir unsere Ochsentour abbrechen werden.
Als wir uns gegen 19 Uhr auf den Weg zum Italiener nach Lembruch machen wollen, erleben wir überraschend doch noch eine Beuteübergabe der Rohrweihen. Leider sehr weit entfernt. Aber vielleicht ergibt sich im nächsten Jahr noch einmal die Gelegenheit.
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Wir packen ein und wollen uns gerade in das Auto setzen, als vom Aussichtsturm der Ruf erschallt: „Da ist der Seeadler!“ Eine Gruppe Einheimischer ist so freundlich, uns auf d i e Gelegenheit aufmerksam zu machen.
Blitzschnell kramen wir wieder unsere Kameras hervor. Tatsächlich! Das Rohrweihen-Männchen greift den Seeadler an! Vielleicht sieht es den Nachwuchs bedroht. Zwischendurch macht auch eine Lachmöwe mit. Auch wenn das Geschehen sich in größerer Höhe abspielt: Ein paar Fotos sind möglich.
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Nach dem Essen beim Italiener fahren wir zum Hotel. Etwa drei Stunden kann ich schlafen, dann klingelt der Wecker und läutet das Ende unserer Ochsentour durchs Ochsenmoor ein. Bei mir zu Hause trinken wir noch einen Kaffee, und Florian packt seine Sachen von meinem Fahrzeug in sein Auto um. Mit zwei Pkws fahren wir weiter zur Mosel. Aber davon berichte ich hier: „Moselapollo – Rarität an der Mosel“.
































































































