Eines der schönsten Gebiete für Naturliebhaber, das ich kenne, ist Brandenburg. Und dort insbesondere das Havelland. Ein Besuch dieser Gegend im Mai/Juni lohnt sich immer.
Am 01. Juni fahre ich mit Florian Richtung Brandenburg. In einem Hotel in Rathenow habe ich uns Zimmer besorgt. Rathenow liegt im Havelland und ziemlich zentral zu den Orten, denen wir einen Besuch abstatten wollen.
Der erste Abend im Havelland
Im Hotel angekommen, begeben wir uns sofort auf eine kurze Erkundungsfahrt. Ein wenig kenne ich mich aus, weil ich dort bereits zweimal war (siehe: Potemkinsche Vögel? Groß-Attrappen? Großtrappen? und hier: Känguru oder Vogel? – Die Beutelmeise und die Linumer Teiche und hier: Sielmann und die Rote Armee – In der Döberitzer Heide)




Am Grützer Bogen frage ich mich, ob die Grützer die Grütze erfunden haben. Oben auf dem Beobachtungsturm werden wir von einem Blaukehlchen begrüßt, das dort auf dem Dach sitzt. Leider lässt es sich später nicht wieder blicken, obwohl wir noch öfter hierher kommen werden. Wir sehen Stieglitze, Neuntöter und Kraniche mit ihrem Nachwuchs. Ja, hier im Havelland brüten Kraniche! Leider sind sie zu weit entfernt für einigermaßen gute Fotos. Aber das wird sich im Laufe unseres Aufenthaltes noch ändern…
Abends treffen wir verabredungsgemäß Klaus, der in dem selben Hotel wohnt, wie wir. Uns knurrt der Magen, und wir gehen auf die Suche nach etwas Essbarem. Beim Griechen werden wir fündig. Nach dem anstrengenden Reisetag und der üppigen Akropolis-Platte mit Gyros, Suflaki, griechischer Bulette, Schweinefilet,Tsatsiki, Fritten und Salatteller habe ich die nötige Bettschwere.
Montags im Havelland





Wie in den nächsten Tagen auch, sitzen Florian, Klaus und ich pünktlich um 5 Uhr morgens in der Bäckerei am Bahnhof bei dem, was ich zu Hause ganz selten tue: beim Frühstück. Mit Proviant aus der Bäckerei bewaffnet, machen wir uns auf den Weg zu den Großtrappen nach Garlitz und Bockow. Dort gibt es zwei Beobachtungstürme, die sich in einem Abstand von etwa 1,2 km gegenüberliegen. Dazwischen befindet sich eine sehr große Freifläche, auf der sich die Großtrappen gerne aufhalten. Aber leider auch nicht immer. Die bis zu 16 Kg schweren, flugfähigen Vögel sind um 5:45 Uhr schon so wach wie wir, aber noch sehr weit vom Weg und den Beobachtungstürmen entfernt. Dabei brauchen sie gar keine Angst zu haben, denn ich bin satt, und ich habe mich erkundigt: die Monstervögel sind nicht essbar.




Gegen 8:30 Uhr fahren wir nach Linum, dem 40 km entfernten Storchendorf. An den Linumer Teichen wollen wir die Beutelmeise fotografieren. Zuerst einmal besteigen wir den ersten Aussichtsturm am Weg, wo uns der Kuckuck seine Aufwartung macht. Ich freue mich, denn ich habe ihn noch nie so nahe fotografieren können. Wir erkundigen uns bei den zahlreichen Fotografenkollegen nach der Beutelmeise. „Ja, es gibt zwei Nester. Eins am Eingang und eins weiter hinten. Beide sind jedoch verlassen.“. So die übereinstimmenden Auskünfte, auf die wir uns aber nicht verlassen. Auf dem Weg zum verlassenen Beutel der Meise begleitet uns ein Drosselrohrsänger mit seinem Gesang. Wo der Weg hinter den Teichen nach rechts abzweigt, hören wir ein leises „Siüh“. Es ist der Ruf der Beutelmeise. Jetzt beginnt ein intensives Suchen, bis Florian endlich das Nest entdeckt, das an einer Birke hängt. Wir warten. Von wegen „verlassen“! Das Nest wird immer wieder von der Meise besucht, die aussieht wie einer von Donald Ducks Panzerknackern. Gut, dass wir den Aussagen der „Kollegen“ nicht geglaubt haben. Da diese aber wohl tatsächlich selber der Meinung sind, das Nest wäre verlassen, haben wir unsere Ruhe.
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Bis zum Nachmittag bleiben wir bei unserem neuen Freund. Dann machen wir einen kurzen Abstecher zum Grützer Bogen, wo wir dem Schilfrohrsänger begegnen.
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So schön der Tag war, so frustbeladen war der Abend. Im Hotel hatten wir bei der Anreise ein Faltblatt mit den ortsansässigen Restaurants und ihren Öffnungszeiten bekommen. Zusätzlich haben wir uns im Web erkundigt. Bereits am Vorabend stellten wir fest, dass die angegebenen Öffnungszeiten überwiegend Makulatur sind. Aber heute, am Montag, wird es extrem. Trotz anderslautender Auskünfte, hat hier in Rathenow offensichtlich kein einziges Restaurant geöffnet.

Wir laufen uns die Füße platt, um schließlich noch gerade vor der Schließung eines Discounters an dessen Bäckereitheke ein paar Mohnbrötchen und an der Fleischtheke einige Frikadellen (sorry, gemeint sind natürlich Buletten) zu ergattern, die wir draußen verspeisen müssen, weil die Stehtische gerade weggeräumt werden. Ich habe noch nie erlebt, dass ein Mohnbrötchen süßlich schmeckt. Diese taten es. Mit Bulette belegt, nicht gerade ein Hochgenuss…
Der Frust geht weiter. Im Hotel komme ich mit der Karte nicht mehr in mein Zimmer. Was mache ich nur? An der Rezeption ist auch niemand mehr. Schließlich klärt sich die Lage: Ich befinde mich im falschen Stockwerk!
Unser Dienstag im Havelland
Am Dienstag stehen wir um 6 Uhr auf dem Garlitzer Aussichtsturm. Keine Großtrappen zu sehen. Dafür aber eine Dorngrasmücke, die uns etwas vorsingt.



Über eine Landstraße, die dermaßen schlecht ist, dass es mir in Florians Auto ständig sämtliche Wirbel zusammenstaucht, fahren wir wieder zum Meisenbeutel der Beutelmeise. Dort fotografieren und filmen wir von 7:30 Uhr an bis gegen 14 Uhr. Wir entschließen uns, zum Gülper See zu fahren. Unterwegs machen wir Station bei „Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ – ein neuer Birnbaum vor seinem Schlosse stand… . Dort, im Café „Alte Schule Ribbeck“, trinken wir Kaffee und essen die ausgezeichneten Kuchen. Mit einem Radfahrer-Pärchen tauschen wir Informationen über die Gegend aus.
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Hier noch ein kleines Video von mir, das ich an den Linumer Teichen von der Beutelmeise gedreht habe. Tipp: Nach dem Start des Videos unten rechts auf das Symbol für „Vollbild“ klicken! Den Vollbildmodus kannst Du beenden, indem Du auf Deiner Tastatur die „Esc“-Taste betätigst oder auf die gleiche Stelle im Video klickst (das Symbol ist jetzt nicht mehr rahmen- sondern kreuzförmig).
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Weiter geht es Richtung Gülper See, wo wir vor allem die Fischadler fotografieren, die gerade ihre Nestlinge versorgen. Wir haben unsere Ausrüstung am Straßenrand aufgebaut. Solange man von den Wegen und Straßen aus fotografiert, ist das für die Tiere wenig störend und deshalb für uns Fotografen erfolgreich. Wie man es nicht machen soll, werden Florian und ich noch am Rückreisetag erleben.

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Im Aussichtsturm am Gülper See versorgen gerade die Schwalben ihre Brut. Von den ständigen Besuchern des Aussichtsturms scheinen sie sich nicht gestört zu fühlen.


Der Mittwoch im Havelland



Für den Mittwoch steht Sielmanns Naturlandschaft, die Döberitzer Heide auf dem Programm. Dort wollen wir eigentlich die Sperbergrasmücke fotografieren, die ich hier bei meinem damaligen Aufenthalt ablichten konnte. Wir werden sie leider nicht zu Gesicht bekommen. Auch nicht die Wisente. Dafür aber Wildpferde, Neuntöter, Goldammer und Heidelerche. Längere Zeit halten wir uns an den gesprengten Bauten der Roten Armee auf, wo der Steinschmätzer sein Jungvolk aufzieht.


Am Nachmittag und am nächsten Morgen in der Frühe, fahren wir noch einmal zu den beiden Fischadler-Horsten.
Mittwochabend und Donnerstag im Havelland


Der restliche Donnerstag steht ganz im Zeichen der großräumigen Großtrappen-Suche. Zuerst in Buckow, dann in den Belziger Landschaftswiesen und schließlich am Fiener Bruch. Leider mit wenig Erfolg. Zumindest, was die Großtrappen betrifft. Stattdessen können wir in Garlitz noch einmal die Dorngrasmücke ablichten und an den Belziger Landschaftswiesen den Turmfalken. Schließlich haben wir abends in Buckow etwas mehr Glück. Neben Feldhasen, Rehböcken, einer Ricke mit Kitz und seltenen Braunkehlchen mit Futter für den Nachwuchs im Schnabel, lassen sich auch einige Großtrappen sehen. Aber immer noch recht weit entfernt. Einen kurzzeitig auftauchenden Pirol konnten wir leider nicht erwischen.


Freitags im Havelland
Am Freitag bewegen wir uns vormittags durch das Gebiet der Havel. Das Glück ist uns hold, denn wir können Kraniche mit Jungen und auch den Streit zwischen einem Kiebitz und einigen Kranichen beobachten. Vermutlich sind die Kraniche versehentlich dem Gelege oder den Küken zu nahe gekommen.
Leider schaffe ich es nicht, die Kamera rechtzeitig in Stellung zu bringen, als eine Fasanendame mit ihren Küken unseren Weg kreuzt. Vermutlich ist sie durch Landleute aufgeschreckt worden, die dort arbeiten.
Der Nachmittag gilt noch einmal dem Großtrappen-Aussichtsturm Buckow. Eine Wiesenweihe fliegt in einiger Entfernung vorüber. Zu weit zum Fotografieren. Aber wir erwischen vom Aussichtsturm aus einen Gelbspötter. Also wieder eine Besonderheit!
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Samstag, unser Rückreisetag
Während Klaus noch einen Tag länger bleibt, müssen Florian und ich am Samstag die Rückreise antreten. Vorher fahren wir aber noch einmal durch das verregnete Havelland zu den Kranich- und Fischadler-Familien.
Auch Buckow und Garlitz besuchen wir noch einmal auf der Rückreise. Von Buckow aus sehen wir, wie die Großtrappen sich Richtung Garlitz bewegen. Wir fahren zum Aussichtsturm Garlitz. Die Großtrappen kommen anfangs auf uns zu. Wir freuen uns schon auf gute Fotos. Aber dann entfernen sie sich urplötzlich wieder. Der Grund: Eine Gruppe Fotografen mit Hamburger Autokennzeichen sind in die verbotene Zone eingedrungen, um die Trappen möglichst nah zu erwischen. Die Trappen sind aber intelligenter als überaus ungeduldige Fotografen, die sich für besonders schlau halten. Die Tiere bemerken sofort, wenn etwas nicht stimmt. Die Folge: Weder wir, noch die überaus intelligenten Fotografen bekommen gute Fotos.
Trotzdem: Eine erlebnisreiche, schöne Woche geht zu Ende. Jetzt freue ich mich auf die nächsten Touren!



































































