Wasserralle mit Küken

Die Wasserralle oder: Was kostet ein Foto

Als ich im Februar 2016 erstmalig am De Wittsee bin, teffe ich einen Fotografen, der an der „Rallenbank“ auf die Wasserralle wartet. Hinter dieser Ruhebank gibt es eine Stelle, auf die im Winter die ersten morgentlichen Sonnenstrahlen treffen und die dünne Eisschicht zum Schmelzen bringen. Das nutzt die Wasserralle, um sich ihr Frühstück einzuverleiben.

Immer mehr Fotografen treffen ein und versammeln sich an der sog. „Rallenbank“. Ein Fotograf geht ein Stück weiter, kommt nach etwa 10 Minuten wieder und zeigt uns triumphierend ein Foto: „Da hinten, am Schilfgürtel habe ich sie gerade fotografiert!“. Es ist das erste Mal, dass ich von einem Vogel höre, der fast genauso heißt wie ich. Wasserralle – Wasserrab: Wenn das kein Zufall ist! Diesen Vogel muss ich vor die Linse kriegen!

Oft liege ich stundenlang frierend auf der Lauer
Wasserralle am Rohrdommelprojekt
Wasserralle am Rohrdommelprojekt

Wie so oft liege ich seitdem stundenlang frierend an der Rallenbank auf der Lauer – erfolglos. Manchmal sehe ich eine Bewegung im Schilf, und manchmal kann ich die Wasserralle sogar erkennen. Aber für ein Foto ist sie immer noch zu versteckt. Oder ich sehe sie plötzlich links von mir aus dem Schilf kommen. Ehe ich das Objektiv auf das Tier richten und fokussieren kann, ist sie schon blitzschnell auf der anderen Seite der freien Fläche wieder im Schilf verschwunden.

Wasserralle am Rohrdommelprojekt
Wasserralle am Rohrdommelprojekt

Einmal erwische ich sie dann doch, wie sie sich hinter Schilfhalmen sonnt. Es sind aber noch nicht die Fotos, die ich mir wünsche.

Andere Wasserrallen-Gebiete, wie De Luysen und Fußacher Bucht
Fliegende Wasserralle
Fliegende Wasserralle
Wasserralle De Luysen
Wasserralle De Luysen
Wasserralle De Luysen
Wasserralle De Luysen

Nicht nur den De Wittsee, auch andere Gebiete im Deutsch-Niederländisch-Belgischen Gebiet besuche ich im Umkreis von ca. 100 km, um die Wasserralle zu erwischen. In De Luysen kann ich sie im Flug erwischen. Leider auch nicht optimal. Ihre Küken sehe ich unterhalb der Beobachtungshütte im Gras. Fotografieren zwecklos.

Wasserralle
Wasserralle

In der Fußacher Bucht bei Bregenz (dort bin ich eigentlich nicht wegen der Wasserralle) höre ich sie plötzlich im Schilf rufen. Ihr Ruf hört sich an, wie das Quieken eines Ferkels. Gerade will sie  aus dem Schilf herauskommen, als zwei anwesende Fotografen knisternd Kekse auspacken und verzehren, was die Ralle natürlich sofort verscheucht.

Die Tücke des Objekts und der Fehltritt im Moor

Endlich, im Mai 2017, kann ich die Wasserralle erstmalig auf freier Fläche mit ihren Küken beobachten. Zuerst verhakt sich der Gurt meiner Kamera im Stativ, das ich über dem Rücken trage. Bis ich das Dilemma beseitigt habe, hat die Ralle ihre Küken schon längst in „Sicherheit“ gebracht.

Wasserralle (Rallus aquaticus)
Wasserralle (Rallus aquaticus)

Dann lässt mich ein Fehltritt mit dem linken Bein im Moor versinken. Ich kann das Bein nicht mehr herausziehen. Zum Glück erinnere ich mich, dass man sich auf den Rücken legen muss und dann die Beine aus dem Morast heraushebeln kann. Tatsächlich, mit dem Trick schaffe ich es.

Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken (Ausschnitt von oberem Bild)
Wasserrallenküken
Wasserrallenküken
Wasserrallenküken
Wasserrallenküken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken

Zwischen dem Schilf hocke ich und warte auf Familie Wasserralle. Wenn das Elterntier mit den Jungen unterwegs ist, klingt ihr Lockruf nicht wie das oben beschriebene Ferkel-Quieken, sondern es sind kurze, hohe Laute, die mich an das eindringliche Piepsen meiner Rauchmelder erinnern, wenn die Batterien sich ihrem Lebensende zuneigen. Das Piepsen der Wasserralle heißt so viel, wie: “Kommt mit mir mit, keine Gefahr.“. Plötzlich entdecke ich nur zwei-drei Meter von mir entfernt die Küken und das Elterntier. Allerdings müsste ich jetzt aufstehen, um freie Sicht für das Foto zu haben. Ich habe aber Angst, die Wasserrallen-Familie zu erschrecken und verzichte lieber auf die Aufnahme. Die nächste Gelegenheit kommt bestimmt. Als die Familie sich entfernt hat, stehe ich auf und warte jetzt stehend und „schussbereit“ im Schilf.

Endlich am Ziel

Und dann kommt der große Augenblick, wo ich Wasserralle und Küken endlich auf freier Fläche fotografieren kann. Die Küken bleiben normalerweise auch in der Deckung. Sie rennen gelegentlich zum Elterntier, bekommen schnell etwas zu fressen und rennen gleich wieder in das Schilf. Aber diesmal sind sie etwas mutiger.

Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken

Wie lange habe ich auf diesen Moment gewartet! Viele Naturfotografen betreiben für gute Fotos solche enormen zeitlichen und monitären Aufwände. Viele hundert Kilometer fahren, stundenlanges Warten und auf der Lauer liegen, Bremsen-, Mücken-, Zeckenstiche, eine Ausrüstung, die bei so manchem Fotografen die Kosten eines Fahrzeugs der Kompaktklasse oder gar der Mittelklasse erreicht. Und was bekommt man für ein Foto?

Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Wasserralle mit Küken
Der geringe Lohn für den großen Aufwand

Oft werden sie von Unberechtigten einfach illegal aus dem Internet kopiert (also gestohlen) und veröffentlicht. Klagt man, erhält man gerichtlich für ein Foto 10 oder 20 Euro zugesprochen. Da lohnt sich doch das Risiko für die Täter. Und der Fotograf? Für den Aufwand 10 oder 20 Euro? Lächerlich!

Es gibt leider auch unseriöse Fotowettbewerbe, wo ein Fotograf bei der Einreichung seines Bildes gleich die Rechte auf das eigene Bild mit abgibt.

Natürlich gibt es auch seriöse Bildagenturen, Fotowettbewerbe und Verlage.

Meiner Wasserralle ist das egal. Sie hat kein Recht auf das eigene Foto. Sie ist froh, dass sie durch die Fotografiererei ihres Beinahe-Namensvetters nicht allzu sehr gestört wurde.

Wasserralle am Rohrdommel-Projekt
Wasserralle am Rohrdommel-Projekt
Wasserralle am Rohrdommel-Projekt
Wasserralle am Rohrdommel-Projekt
Wasserralle am Rohrdommel-Projekt
Wasserralle am Rohrdommel-Projekt

 

2 Gedanken zu „Die Wasserralle oder: Was kostet ein Foto“

  1. Hallo Ronald
    Dieses Betrag mit den tollen und interessanten Aufnahmen hast du gut Präsentiert
    Danke Dafür
    LG Helmut

    1. Hallo Helle,
      vielen Dank für DSeinen Kommentar, über den ich mich sehr gefreut habe!
      Gibt es etwas interessantes und neues von der belgischen Naturfotografen-Front?
      Liebe Grüße
      Ronald

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