Der Kaffeevollautomat meldet: "Alle Systeme o.k."

Ménage-à-trois – mein Kaffeevollautomat, meine Frau und ich

Heute will ich über mein neues italienisches Prunkstück berichten, das ich mir kürzlich in unseren deutschen Haushalt geholt habe. Dieses Prunkstück hört auf den Namen „Kaffeevollautomat“ und hat meinen gesamten Six-Sigma-optimierten Tagesablauf verändert.

„Das interessiert mich nicht die Bohne!“ wirst du vielleicht sagen. Sollte es aber!  Warum sonst, schreibe ich mir hier die Finger wund?

Meine Frau ist aus mir unerfindlichen Gründen ihrer herkömmlichen Kaffeemaschine treu geblieben. Als Technik-Freak ist mir das zu simpel. Deshalb hatte ich mir schon vor Jahren bereits eine Senseo Kaffeepad-Maschine gegönnt. Das waren noch Zeiten! Pad rein, Kaffee raus! Leider hat mir die Senseo den Dienst fristlos gekündigt. Eine neue Pad-Maschine kaufen? Gemahlener Kaffee, insbesondere der in den Pads, enthalte zwar Spuren von Kaffee, ansonsten aber gemahlene Blätter, Äste und geriebene Kanarienvögel. Zumindest entsteht dieser Eindruck bei mir nach dem Konsum diverser Berichte öffentlicher Medien. Ein Wunder, dass das Zeug doch noch irgendwie nach Kaffee schmeckt.

Zudem sind Kaffeepads, hochgerechnet auf meinen enormen Treibstoff-Verbrauch, extrem teuer. Wesentlich teurer jedenfalls als ein Kaffeevollautomat, der ganze Bohnen verarbeiten kann. Und Kaffeebohnen sind (zurzeit jedenfalls) noch echte Bohnen. Nicht etwa aus irgendwelchen Substanzen in Bohnenform gepresst, gefärbt und synthetisch auf Kaffeegeschmack getrimmt, wie das oft bei lecker aussehendem gekochten Schinken und bei mancher Wurst der Fall ist!

Vier Tage lang gerechnet, recherchiert, verglichen, Tests gelesen und schwupps, schon bei Amazon bestellt! Für 180 Euronen ein Gerät, das nach 600 aussieht. Wenn das Ding jetzt auch noch funktioniert, bin ich glücklich und die Nachbarn staunen.

Der neue Kaffeevollautomat
Der neue Kaffeevollautomat

Während meine Frau nachmittags den lauwarmen Kaffee aus der Thermoskanne trinkt, den sie morgens mit ihrer mittelalterlichen Kaffeemaschine erzeugt hat, habe ich stets frischen, heißen Bohnenkaffee! Und während meine Frau zeitunglesend ihre Freizeit genießt, bediene ich meinen Kaffeevollautomaten. Denn Kaffee trinken wird bei so einem Hightech-Gerät glatt zur Nebensache:

05:30 Uhr – Ich schalte den Vollautomaten ein. Mit großem Getöse setzt er sich in Gang und spült erst einmal seine Leitungen gut durch. Ich kenne das und habe ihm eine leere Tasse zur Verfügung gestellt, in die er seine Spül-Brühe entleeren kann. Anschließend spüle ich dann die Tasse aus und stelle sie wieder auf den Vollautomaten.

05:32 Uhr – Ich drücke den Knopf mit dem 1-Tassen-Symbol, der mir eine gute Tasse Kaffee verheißt. Aber nichts tut sich. Erst jetzt sehe ich, dass ein rotes Lichtlein brennt. Kein Wasser mehr im Tank. Ich fülle diesen also bis zum Maximum.

Der Kaffeevollautomat meldet: "Wassertank leer"
Der Kaffeevollautomat meldet: „Wassertank leer“

 

05:34 Uhr – Zweiter Versuch. Kurzer, aber präziser Druck auf das 1-Tassen-Symbol. Wieder nichts, wieder ein rotes Lämpchen. Diesmal ist nun der Behälter voll, der das verbrauchte Kaffeepulver aufnimmt. Ich öffne die Maschine und entnehme die große Überlauf-Auffangschale, die auch den besagten Behälter enthält und säubere gründlich die gesamte Einheit. Auch das Innere des Kaffeevollautomaten, das trotz Auffangbehälter durch Kaffeereste verschmutzt wird, reinige ich und setze die Einheit danach wieder ein. Schließlich stelle ich auch die Tasse wieder auf die Maschine.

Der Kaffeevollautomat meldet: "Auffangbehälter voll"
Der Kaffeevollautomat meldet: „Auffangbehälter voll“

 

Nicht alle Pulverreste gelangen in den Auffangbehälter
Nicht alle Pulverreste gelangen in den Auffangbehälter
Der volle Auffangbehälter
Der volle Auffangbehälter

 

 

 

 

 

 

Der gereinigte Auffangbehälter und die Überlaufschale
Der gereinigte Auffangbehälter und die Überlaufschale
Der Kaffeevollautomat nach der Reinigung
Der Kaffeevollautomat nach der Reinigung

 

05:40 Uhr – Dritter Versuch. Energischer Druck auf das 1-Tassen-Symbol. Aha, da tut sich was! Das Aufjaulen des hocheffizienten Keramik-Mahlwerks verrät mir: Der Bohnenvorrat ist leer! Während meine Frau genüsslich ihre zweite Tasse Kaffee schlürft, suche ich vergeblich den Beutel mit den Kaffee-Bohnen. Gut, muss ich halt warten, bis der Lebensmittelladen öffnet. Ich könnte mir natürlich auch etwas vom Kaffeepulver-Vorrat meiner Frau ausleihen (mein hochtechnisierter Kaffeevollautomat verarbeitet selbstverständlich auch bereits gemahlenen Kaffee!) aber diese Blöße möchte ich mir nicht geben. Erst über das Zeug meckern, das in fertig gemahlenem Kaffee enthalten ist und dann diesen Mist selber trinken?

08:45 Uhr – Ich war im Lebensmittelladen und habe Kaffeebohnen erstanden. Ich schütte die Bohnenkammer des Vollautomaten voll.

Die Bohnenkammer ist gefüllt
Die Bohnenkammer ist gefüllt

08:49 Uhr – Da blinkt was. Der Vollautomat will entkalkt werden. Gut, dass ich noch ein Fläschchen Spezialentkalker vorrätig habe. Notfalls hätte ich aber auch mit meinem Morgenkaffee warten können, bis die Amazon-Entkalker-Lieferung in drei Tagen eingetroffen wäre.

09:05 Uhr – Ich begebe mich auf die Suche nach der Bedienungsanleitung, denn der Entkalkungs-Prozess ist leider nicht selbsterklärend.

09:56 Uhr – Anleitung nach langem Suchen endlich gefunden. Ich beginne mit der Entkalkung der Maschine.

11:25 Uhr – Hurra, der Kaffeevollautomat ist entkalkt! Jetzt nur noch einmal durchspülen…

11:48 Uhr – rotes Lämpchen. Der Tank ist leer. Ich fülle ihn. Allerdings kann ich jetzt keinen Kaffee trinken, da das Mittagessen fertig ist.

Der Wassertank ist leer
Der Wassertank ist leer

12:15 Uhr – Getöse beim Mittagessen. Meine Frau runzelt die Augenbrauen. Der Vollautomat hat sich vollautomatisch ausgestellt. ECO-Modus nennt er das. Beim Ausstellen wird wieder alles durchgespült.

15:00 Uhr – Kaffeezeit. Ich stelle den Kaffeevollautomaten wieder an: Übliches Getöse und das Warten auf irgendein rotes oder blinkendes Lämpchen. Der Automat meldet souverän, dass alle Systeme ordnungsgemäß funktionieren.

15:01 Uhr – Misstrauisch, ja, ein wenig verängstigt, drücke ich vorsichtig das 1-Tassen-Symbol. Unter dem üblichen Getöse bekomme ich tatsächlich eine ganze Tasse heißen, frischen Bohnenkaffee mit einer feinen Crema! Vollautomatisch!

Mit einem Kaffeevollautomaten hat man eine gute Tasse Kaffee schnell aufgebrüht
Mit einem Kaffeevollautomaten hat man eine gute Tasse Kaffee schnell aufgebrüht

15:02 Uhr – Während ich meinen frisch gebrühten, leckeren, reinen und heißen Bohnenkaffee genieße, blicke ich meine Frau, die gerade ihren vierten, inzwischen lauwarmen Thermoskannen-Kaffee schlürft, mitleidig an. Sie hat was gegen die moderne Technik. Ich kann das gar nicht nachvollziehen.

15:45 Uhr – Es wird Zeit, zur Therapiestunde zu fahren. Seit einiger Zeit leide ich unter einer stressbedingten Zivilisationskrankheit: Brüh-Out…

 

13 Gedanken zu „Ménage-à-trois – mein Kaffeevollautomat, meine Frau und ich“

    1. Hallo Gisela,
      ich freue mich immer, wenn ich aus den südlichen Gefilden Nachrichten erhalte. Vielen Dank für deinen Kommentar!
      Wenn ich über noch mehr Kaffeevollautomaten-Opfer Kenntnis erlange, dann muss ich ernsthaft überlegen, eine Selbsthilfegruppe ins Leben zu rufen (die anonymen Coffeiniker).
      Liebe Grüße aus dem „hohen Norden“
      Ronald

  1. Hallo Ronald, deine Ruhe ist bewundernswert, ich hätte das Ding in die nächste Ecke geschmissen und einen schönen lauwarmen Kaffee getrunken 🙂 Nein die Maschine ist schon toll, habe ja auch schon einen frischen Kaffee davon getrunken. Schmeckt super. LG Heidi

    1. Liebe Heidi,
      leider konnte ich deinen Kommentar nicht gleich beantworten. Musste erst den Kaffeevollautomaten voll mit Wasser und Bohnen versorgen…
      Ich wünsche dir und Chris eine gute (Mai-)Nacht
      LG
      Ronald

  2. Lieber Ronald,

    ähnliche Aktivitäten kenne ich von meinem ehemaligen Kaffee-Vollautomaten – Euer aller Silberhochzeitsgeschenk. Zunächst musste dieser aufwendig programmiert werden. Das liegt Dir mehr als mir. Es gelang mir und ich war stolz! Wasserhärte, Kaffeestärke, Entkalkungs-Rhytmus, Tassendosierung – alles perfekt.
    Das Allergrößte war der Cappucinatore, den Du nicht hast. Er spukte geschäumte Milch, die er aus einem Milchbehälter durch eine dünnen Schlauch zischend (und laut) sog, in die Kaffeetasse und hatte ich einen toll aussehenden ‚Latte‘. Die Freude darüber verging bei mir schnell. Für die Säuberung des Schlauchs benötigte ich eine Stunde. Dies ging auch nur mit einem Pfeifenreiniger. Da Du kein Pfeifenraucher bist, ist ein Cappucinatore für Dich auch nicht geeignet.

    Und denke daran, die Brühgruppe regelmäßig zu reinigen! Rausnehmen und unter heißes Wasser halten. Wenn Du sie nicht reinigst, knackt sie irgendwann. Also noch mehr Krach.

    Nachdem ich meinem Vollautomaten fast 10 Jahre lang treu war und er nach wie vor glänzte, innen wie außen, habe ich ihn einem guten Freund geschenkt. Der hat sich gefreut; er hatte allerdings die Bedienungsanleitung (sie war inzwischen zerfleddert) noch nicht gelesen.

    Nun habe ich eine kleine handliche Nesspresso-Maschine ohne Brühgruppe und Cappucinatore. Aber mit Wassertank und Satzbehälter – das reicht mir vollkommen. Man hat einfach eher einen leckeren Kaffee.

    Liebe Grüße, viel Spaß und Geduld mit Deinem Vollautomaten!

    Lieschen

    1. Liebes Lieschen,

      vielen Dank für deinen schönen und ausführlichen Kommentar!
      Manchmal muss man sich von dem, was zur Silberhochzeit noch gut war trennen, auch wenn es nur ein Kaffeevollautomat ist…

      Natürlich habe ich die Brüheinheit schon abgebrüht. Auch einen Milchaufschäumer hat das Gerät. Letzteren habe ich in weiser Voraussicht noch nicht benutzt.

      Bei meinem Kaffeekonsum käme eine Nesspresso zu teuer. Die würde mir quasi meine schönen Haare vom Kopf fressen.

      Liebe Grüße (auch von Eka)

      Ronald

    1. Hallo Stephanie,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Freut mich immer wieder, wenn meine Berichte Anklang finden!
      Vielleicht ist es eine gute Idee, einmal über das Thema „Bücher“/ „Bücher binden“ zu berichten.
      Liebe Grüße
      Ronald

  3. nicht ohne zu schmunzeln hab ich deinen ausführlichen Bericht gelesen (zwischendurch hab ich schnell nen Kaffee aus dem Senseo Automat ) getrunken.
    Josef hat auch so eine „“ Höllenmaschine „“ und Helga,die macht immer alles sauber ……..
    gr heinz

  4. Nachtrag : Ich nehme 2 Löffel Zucker und einen Schuss Amaretto.. dann schmeckt man die gemahlenen Äste und Kanarienvögel nicht so raus… gr heinz

    1. Hallo Heinz,
      vielen Dank für Deinen Kommentar.
      Leider wird gerade dieser Kaffeeautomaten-Bericht oft übersehen. Dabei ist es einer meiner humorvollsten. Das Leben schreibt immer noch die besten Geschichten!
      Wegen der geriebenen Kanarienvögel: Da reicht doch zukünftig ein Normalobjektiv für Deine Vogelfotografie. Einfach mit Filz den Namen des Vogels, der im Senseo-Pad steckt, auf das Pad schreiben, Foto schießen – fertig!
      Im Übrigen halte ich es mit der Trennkost: Morgens den Kaffee, abends den Amaretto…
      Liebe Grüße
      Ronald

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