Fledermäuse fotografieren

Ein Vampir kommt selten allein – Fledermäuse fotografieren

Im Teil I meiner Enzian-Trilogie deutete ich bereits an, dass ich an jenem Abend unverhofft etwas entdeckt habe, dass mich die nächsten Wochen in Atem halten sollte. Auf der Suche nach dem Lungenenzian an der Kall inspizierte ich auch nach Sonnenuntergang den Biberteich bei der Siedlung Hoscheit und entdeckte – Fledermäuse. Lautlos flogen sie heran und fischten sich Insekten von der Wasseroberfläche.

Ganz klar, dass ich auf meiner Kall-Ausstellung nun auch Fotos dieser kleinen Säuger präsentieren möchte! Allerdings kein leichtes Unterfangen.

Von Graf Dracula habe ich gelernt, dass man Vampiren gegenüber eine gewisse Zurückhaltung an den Tag legen sollte. Bevor ich also meinen Rucksack mit Abwehrmitteln, wie kiloweise Knoblauch, Kreuzen und Holzpfählen überlade, erkundige ich mich im Internet erst einmal über Blut saugende Vampir-Fledermäuse. Ich lese, dass es Vampir-Fledermäuse nur in Brasilien gibt. Brasilien hat auf der Erdkugel eine relativ günstige Lage. Damit ist die Gefahr, dass es sich bei den von mir entdeckten Fledermäusen um Vampire handelt, verhältnismäßig gering. Es sind wohl eher Wasser- oder Teichfledermäuse, die am Hoscheit jagen. Diese saugen kein Blut, sondern vertilgen andere Blutsauger, wie z.B. Mücken. Aber auch Eintagsfliegen und Köcherfliegen stehen bei ihnen auf dem Speiseplan.

Fledermaus am Biberteich
Fledermaus am Biberteich (alle Fotos lassen sich wie immer, per Mausklick vergrößern!)

Bereits am nächsten Abend stehe ich also am Biberteich parat. Vorher habe ich im Internet recherchiert, wie man Fledermäuse auf’s Silikon bannen kann. Allgemeiner Tenor: ohne Lichtschranke zum automatischen Auslösen und ohne Laser zum Scharfstellen bei Dunkelheit keine Chance.

Beides steht mir nicht zur Verfügung. Der Aufbau wäre am Biberteich auch zu kompliziert und würde meiner Meinung nach die Natur unnötig stören. Und das Laserlicht ist sicher für Tieraugen genauso schädlich, wie für die menschlichen Sehorgane. Ich will es ohne diese Hilfsmittel versuchen!

Meine Frau meint, wieso ich denn jetzt noch so weit fahre – ich könne doch die Fledermäuse knipsen, die ständig abends um unsere Tuja am Gartenteich herumfliegen.

Ja, aber das sind eben nicht die Fledermäuse an der Kall! Und ich will jetzt für meine Ausstellung „Geheimnisvolle Kall“ im Rathaus Hürtgenwald-Kleinhau noch ein Fledermausbild haben!

Im Internet lese ich, dass einer der Fledermaus-Fotografen die Tierchen ohne Stativ, aus freier Hand fotografiert. Das will ich auch versuchen.

Dazu nehme ich meine schnelle 7D und das Speedlite 580 EXII-Blitzgerät.

Praktikabel ist das Fotografieren aus der Hand nicht, wie ich sehr schnell feststellen muss. Null Treffer. Den Anflug der Objekte aus den Augenwinkeln beobachten und gleichzeitig durch den Sucher blicken, um rechtzeitig den Auslöser zu betätigen – schier unmöglich. Ich weiß nun, dass ich eine andere Strategie und noch einige „Sessions“ brauche, bis ich ein akzeptables Ergebnis erhalten werde.

In der Nähe meiner Halsschlagader entdecke ich zu Hause zwei Einstiche. Doch Vampire? Eigene Untersuchungen und das Gutachten eines weiblichen Exorzisten (meine Ehefrau) legen die Vermutung nahe, dass es sich nicht um einen Vampir handelt, sondern um die Henkersmahlzeit zweier Mücken, bevor sie ihrer gerechten Strafe zugeführt und von den Fledermäusen vertilgt wurden. Besser wäre allerdings gewesen, man hätte die Delinquenten bereits vor der Straftat verspeist.

Fledermaus
Fledermaus

Am dritten Abend (21.07.) stehe ich wieder am Biberteich und beginne etwa 20 Minuten vor Sonnenuntergang mit dem Aufbau.

Meine beiden Kameras (eine würde auch genügen, zwei verdoppeln allerdings die Treffer-Chance) pflanze ich auf je ein Stativ (eines meiner Stative ist ein großes, das andere ein Rucksack-fähiges, kleineres Reisestativ). Auf die schnelle Canon7D setze ich wieder das leistungsfähigere Speedlite 580EX II und auf die langsame 5D2 das Speedlite 430 EX II. Beide Kameras statte ich mit je einer Funk-Fernbedienung aus.

Ich fokussiere auf den Bereich im Teich, den die flinken Jäger am Vortag am häufigsten frequentiert haben und schalte den Autofocus danach ab.

Da ein Batterie-/Akkuwechsel während der Sitzung kaum möglich ist, habe ich die Akkus daheim aufgeladen und die Batterien mit einem Batterie-/Akkutester auf ihre Kapazität geprüft. Es wäre nämlich schade, wenn vielleicht gerade in diesem Augenblick, wo sich eine Fledermaus im richtigen Fokus befindet, Blitz oder Funkauslöser nicht funktionstüchtig wären.

Leider habe ich mein Insektenschutzmittel zu Hause liegen lassen…

Ich freue mich immer, wenn ich es mit verlässlichen Leuten zu tun habe. Pünktlich um 22:00 Uhr (etwa 20 Minuten nach Sonnenuntergang) trudeln die ersten meiner ungefiederten Freunde ein und sondieren die Lage am Biberteich.

Zwischenzeitlich sondieren auch die Mücken die Lage. Sie haben Interesse an mir gefunden und umkreisen mich in Scharen. Das wiederum macht mich für die Fledermäuse interessant, die mich ebenfalls umkreisen. Einige fliegen nur wenige Zentimeter an meinem Kopf vorbei. Aber keine traut sich, die Mücken von meiner Haut zu pflücken.

Sobald ich einen Schatten am Teich wahrnehme, betätige ich beide Fernauslöser. Ein tolles Gefühl, wenn dann meine Models, vom Blitz getroffen, hell in der Dunkelheit aufleuchten. Treffer!??

Fledermaus im Flug
Fledermaus im Flug

30 Minuten und 48 Mückenstiche später ist der Spuk vorbei. D.h., es ist jetzt zu dunkel um die Jäger frühzeitig genug für ein Bild auszumachen.

Zu Hause werde ich erst einmal eine Fenistil-Party feiern…

Ich verstaue meine inzwischen durch Kondenswasser feucht gewordenen Sachen wieder ordentlich im Rucksack und fahre um 23:10 Richtung Heimat, gespannt wie ein Flitzebogen auf die Ergebnisse.

Zu Hause packe ich die Ausrüstung wieder aus um alles zu trocknen. Das ist sehr wichtig, damit das Material keinen Schaden nimmt und nicht verschimmelt. Außerdem lade ich die Akkus sofort wieder auf.

Ich übertrage die Aufnahmen von den Speicherkarten in meinen Rechner und importiere sie in Lightroom. Meine Euphorie wandelt sich in Frust: alle Bilder unscharf!

22.07.: Zwangspause wegen schlechtem Wetter

23.07.: Gleiche Prozedur wie vorgestern, gleiches Ergebnis (enttäuschend!)

24. und 25.07.: schlechtes Wetter

26.07.: Wieder ein enttäuschendes Shooting. Die Schärfe liegt ständig hinter den fliegenden Mäusen.

27.07.: Die Fledermäuse haben heute keine rechte Lust zum Jagen, weshalb ich „nur“ 140 Fotos schieße und demzufolge auch nur 9 Treffer habe. Das Schärfenproblem hat sich verringert, jedoch ist immer noch keiner der Treffer brauchbar.

28. und 29.07.: wieder schlechtes Wetter. Langsam wird es eng. Mein Höchenschwand-Urlaub naht und ich muss die komplette Ausstellung noch vorbereiten.

30.07.: 229 Fotos, davon 47 Treffer. Die wenigen Treffer, die einigermaßen scharf sind, sind total verrauscht.
Ein seltsamer Zwischenfall passiert um etwa 22:15 Uhr. Ein silberner Kleinwagen (Peugeot oder ähnliches) kommt aus Richtung Konzen und hält auf der Sraße am Schild „Naturschutzgebiet“ gegenüber dem Biberteich an. Ein Mann in Shorts steigt aus, packt etwas aus einer Tüte aus und schmeißt es in hohem Bogen in den Biberteich. Das war bestimmt kein Futter für die Biber!

31.07.: Ich habe gerade mein Equipment aufgebaut, als ich hinter mir etwas wahrnehme. Keine 2 Meter von mir entfernt steht ein Dachs und schaut mich an. Leider kann ich ihn nicht fotografieren, weil die Kameras einige Meter von mir entfernt eingerichtet sind. Ich sage: „Hallo Dachs!“. Das ist zu viel für ihn. Er macht sich aus dem Staub. Trotzdem ein Glückstag! Die kleinen Säuger sind heute besonders aktiv. 620mal löse ich aus, 95 Treffer sind dabei, davon die 4 scharfen, brauchbaren Aufnahmen, die du hier im Bericht oder in der Galerie bewundern kannst!

Fledermaus bei der Jagd
Fledermaus bei der Jagd

Wenn du auch einmal Fledermäuse fotografieren möchtest, dann helfen dir vielleicht die folgende Checkliste und die Einstellungen, mit denen ich Erfolg hatte:

 

Was solltest du mitnehmen?

  • Warme Kleidung
  • Insektenschutz
  • Stativ
  • Kamera mit 70-200 oder 24-70 oder 135er o.ä.
  • Blitzgerät
  • Funkauslöser
  • Taschenlampe
  • Ersatzakkus/Ersatzbatterien
  • Speicherkarten

 

Was stellst du wie ein?

  • Kamera auf ISO 400, Blende 8, 1/200 s Verschlusszeit, manuell (keine Zeit-/Blendenautomatik!), je nach Kamera-Modell Serienbild (mit hoher Geschwindigkeit)
  • Zoom-Objektiv auf die gewünschte Brennweite einstellen (70 mm sind für den Anfang ein guter Wert)
  • Fokus auf die vermutete Objekt-Entfernung einstellen
  • Autofocus abschalten
  • Blitz (ETTL) auf Zoom bzw. entsprechend der eingestellten Brennweite
  • Blitz unbedingt auf 1/8 seiner Leistung stellen (Brenndauer-Verkürzung, sonst Bewegungsunschärfe!)
  • Funktionstest
  • Endgültigen Standort der Kamera festlegen, alle Einstellungen noch einmal überprüfen!
  • Nochmaliger Funktionstest (Funkfernbedienung) vom eigenen Standort aus.
  • Funkfernbedienung immer funktionsbereit halten. Der Hähnel GPro-Sender z.B. schaltet sich nach kurzer Zeit selbsttätig aus. Um das zu vermeiden und den Funkauslöser im entscheidenden Moment betriebsbereit zu haben, muss zwischendurch der Auslöser des Senders regelmäßig halb durchgedrückt werden!
  • Kürzere Brennweiten erhöhen die Chance auf Treffer, längere Brennweiten führen zu größeren Abbildungen des Objekts. Du musst hier einen Kompromiss finden. Sicherlich kommt es auch darauf an, wie nahe du an die bevorzugten „Fangplätze“ / “Flugkorridore“ der Fledermäuse herankommst.
  • Sei dir darüber im Klaren, dass du viel Geduld und vor allem Ausdauer brauchst! Es wäre purer Zufall, wenn du bereits beim ersten Versuch brauchbare Fotos bekämst.

 

Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinen Shootings. Toll wäre es, wenn du hier einen Kommentar schreiben und über deine Erfahrungen berichten würdest.

 

8 Gedanken zu „Ein Vampir kommt selten allein – Fledermäuse fotografieren“

  1. Hallo & vielen herzlichen Dank für die super tollen Tipps! Nach meinen vergeblichen Versuchen gestern bin ich auf Deine vielen Hinweise gestoßen: Fledermäuse sind verdammt schwierig zu fotografieren – das sind geniale Ergebnisse! Beste Grüße in die Eifel!

    1. Hallo Lisa,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Dann hoffe ich, dass du mit meinen Tipps mehr Glück hast. Geduld brauchst du allemal und viele, viele Fotos musst du schießen, um einige wenige brauchbare zu erhalten. Wäre schön, wenn du berichtest, ob dir Aufnahmen gelungen sind und wo ich sie mir ansehen kann!
      Viel Erfolg wünscht dir
      Ronald

  2. Hallo Ronald,
    lieben Dank! Falls die Aufnahmen, an denen ich momentan fleißig übe, etwas werden, lasse ich Dich das wissen;) Irgendwann sind sicher mal passende Fledermausbilder dabei!
    Viele Grüße
    Lisa

  3. Hallo,

    danke für die hilfreichen Tipps. Ich habe im Garten einen ganzen Baum voller Fledermäuse entdeckt und werde mich heute Abend daran versuchen. Bin gespannt, ob ich eine erwische.

  4. Hallo Ronald, Du hast Große Abendsegler und eine Breitflügelfledermaus fotografiert. Was die Abendsegler da unten außer trinken machen wäre interessant.Jäger des freien Luftraumes…Dein 1/8 reicht nicht für absolute Schärfe. Nimm 1/32 und mehrere gleiche!!!! Blitze von Ebay. Über chinesische Funkauslöser (1 Sender+ 4 Empfänger für 22Euronen) auslösen.
    Und geize nicht so mit Bildern, auch bei Lichtschranken ist 1:100 gut. (Der Wanderfalke hat mir in einem Monat 15600 produziert.) Habe bischen Geduld. Fledermäse sind eben was besonderes.

    1. Hallo Reimund,
      vielen Dank für deinen Kommentar und deine Tipps! Wenn ich noch einmal auf Fledermaus-Jagd gehe, werde ich das ausprobieren.
      Herzliche Grüße
      Ronald

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