Brautenten-Männchen im Neffelsee

Ornithologen-Glück – Seltene Gäste in unserer Gegend

Manchmal „verirren“ sich in unsere Gegend seltene Gäste (insbesondere Vögel), die hier so gut wie nie zu sehen sind, weil sie in anderen Gegenden Europas oder auf der Hochsee leben. So kreiste im Jahr 2017 einige Tage lang ein Geier über der Dreiborner Höhe in der Eifel. Solche Sensationen sprechen sich unter Ornithologen und Naturfotografen schnell herum und sorgen manchmal für wahre Menschenaufläufe. Ob die VIBs (Very important Birds) das öffentliche Interesse genießen, ist eine andere Frage. Über einige der seltenen Besucher will ich hier berichten.

Über einige seltene Gäste habe ich ja bereits geschrieben. Z.B. über die Kiefernkreuzschnäbel im vorigen Jahr. Dort gibt es auch ein Foto von den Paparazzis, die teilweise von weither anreisen, um die Objekte der Begierde auf den Silizium-Chip zu bannen. Auch die Seidenschwänze, die sich im Februar 2017 bei Moers über die Beerenbüsche am Straßenrand hermachten oder die Bahamaente im Rhein gibt es Artikel auf eifelpanorama.de.

Manche Exoten lassen sich sogar dauerhaft an einem Ort nieder, wie beispielsweise die Schneegänse am Jröne Meerke (am Grünen Meer) in Neuss. Auch hierüber habe ich bereits berichtet.

Blauschwanz bei Kelmis
Blauschwanz bei Kelmis

Ende Januar 2018 astet eine Traube von ca. 50 Fotografen durch einen kleinen Wald nahe der Deutsch-Belgischen Grenze. Die Paparazzis rennen zusammen irgendwohin, schlagen Haken, bleiben stehen, setzen sich wieder in Bewegung und spurten in die Gegenrichtung, bleiben wieder kurz stehen, hechten dann wieder zurück und richten ihre langen Objektive auf irgendeinen, für einen Außenstehenden nicht erkennbaren Punkt im Gewirr der Äste. Dann beginnt die Jagd von vorne. Einige Fotografen hagelt es um. Vor lauter Hektik haben sie Äste übersehen oder rutschen auf dem inzwischen morastig getrampelten Boden aus und den Hang hinunter. Das Retten der teuren Fotoausrüstung bei einem Sturz ist auf jeden Fall wichtiger, als ein Arm oder Bein. Letztere hat man seinerzeit kostenlos erhalten und deren Reparatur zahlt  schließlich auch die Krankenkasse. So mancher Vogelfreund schlittert deshalb knapp am Knochenbruch vorbei. Tatsächlich muss dem ein oder anderen erste Hilfe geleistet werden. Ein Naturfotograf tut gut daran, immer Pflaster und Verbandszeug mit sich zu führen.

Blauschwanz bei Kelmis
Blauschwanz bei Kelmis

Aber was treibt die Fotografenherde da durch den Wald? Es ist die Jagd nach einem Bild vom winzig kleinen Blauschwänzchen.  Das blaue Schwänzchen muss uns objektivgesteuerten Fotografen subjektiv gesehen für ziemlich dämlich halten. Auf jeden Fall scheint es recht unbeeindruckt von dem Trubel um die eigene Person zu sein.

Blauschwanz bei Kelmis
Blauschwanz bei Kelmis

Ich dagegen bin nicht unbeeindruckt und frage mich ernsthaft, ob es gut war, hierher zu kommen. Dies hat schon eine andere Qualität als das Erleben bei den Seidenschwänzen und den Kiefernkreuzschnäbeln, wo man als Fotograf in entsprechender Entfernung oder gut getarnt Aufstellung nimmt und einfach ruhig auf das Kommen der Protagonisten wartet.

Prachttaucher mit Beutefisch im Wiebachteich
Prachttaucher mit Beutefisch im Wiebachteich

 

Prachttaucher mit Beutefisch im Wiebachteich
Prachttaucher mit Beutefisch im Wiebachteich

 

Prachttaucher im Wiebachteich
Prachttaucher im Wiebachteich

 

Prachttaucher mit Molch im Wiebachteich
Prachttaucher mit Molch oder überwinternder Kaulquappe im Wiebachteich

 

Prachttaucher mit Molch im Wiebachteich
Prachttaucher mit Molch oder überwinternder Kaulquappe im Wiebachteich

Wie z.B. Mitte Januar diesen Jahres, als sich ein Prachttaucher auf dem kleinen Wiebachteich bei Bergheim niedergelassen hat. Normalerweise jagen die Prachttaucher, die zu den Seetauchern gehören, auf hoher See und nicht in einem nur 1,20 Meter tiefen kleinen Teich mitten im Rheinischen Kohlerevier. An zwei Tagen kann ich mit einigen anderen Fotografen den Taucher beobachten und fotografieren ohne das Tier zu stören. Denn am Wiebachteich gibt es zwei Beobachtungswände, die zwar von der Rheinbraun recht lieblos zusammengezimmert sind (zumindest hat man diesen Eindruck), die aber wenigstens ein Mindestmaß an Sichtschutz bieten. Am ersten Tag erwische ich den Prachttaucher mit einem Fisch im Schnabel, den er mit reichlich Gemüsebeilagen vertilgt. Leider ist das Wetter an diesem Tag sehr schlecht. Am zweiten Tag scheint ab und zu die Sonne. Das Highlight ist diesmal ein dicker Molch oder eine dicke, überwinternde Kaulquappe (danke an Hauke R. aus Münster für den Hinweis), der vom Taucher erbeutet wird.

Ganz in der Nähe des Wiebachteichs liegen die Bedburger Teiche. Dort ließ sich im Jahr 2017 eine Carolinakrickente vorübergehend nieder. Auch hier können die Tiere relativ störungsfrei beobachtet werden.

Carolina-Krickente an den Bedburger Teichen
Carolina-Krickente an den Bedburger Teichen

Mandarinenten sind zwar auch Exoten, werden jedoch öfters gesichtet, wie hier am Schloss Rheydt bei Mönchengladbach oder am Schloss Liblar im Februar 2017.

Mandarinente am Schloss Gracht in Liblar
Mandarinenten-Männchen am Schloss Gracht in Liblar

 

Mandarinenten-Weibchen am Schloss Gracht in Liblar
Mandarinenten-Weibchen am Schloss Gracht in Liblar

 

Mandarinenten-Pärchen am Schloss Gracht in Liblar
Mandarinenten-Pärchen am Schloss Gracht in Liblar

Selten dagegen sieht man hier im Westen der Republik den Ohrentaucher. Ein Exemplar kann ich im März 2017 am Blausteinsee hier ganz in der Nähe ablichten.

Ohrentaucher im Blausteinsee
Ohrentaucher im Blausteinsee

Anfang 2017 und jetzt, im Januar 2019 wird eine Blauflügelente im Boisdorfer See gesichtet. 2017 ist sie leider sehr, sehr weit vom Ufer entfernt, so dass gute Portraits von ihr unmöglich zu erstellen sind. Aber in diesem Jahr kann ich sie einigermaßen gut erwischen.

Im Januar 2018 schwimmt eine Brautente im Füssenicher See herum. Ob sie auf Brautschau ist, weiß ich nicht. Kumpel Peter und ich jedenfalls sind auf Entenschau.

Brautenten-Männchen im Neffelsee
Brautenten-Männchen im Neffelsee

 

Brautenten-Männchen im Neffelsee
Brautenten-Männchen im Neffelsee

Offenbar lieben die Exoten unser Braunkohlerevier und statten uns deshalb immer mal einen Besuch ab. Aber auch im Steinkohlerevier, im Ruhrgebiet zwischen Hamm und Lippstadt, kann ich im November 2017 an der Disselmersch die sehr seltenen Kurzschnabelgänse und eine Zwerggans fotografieren.

Kurzschnabelgans in der Disselmersch
Kurzschnabelgans in der Disselmersch

 

Fliegende Zwerggänse in der Disselmersch
Fliegende Zwerggänse in der Disselmersch

 

Fliegende Zwerggänse in der Disselmersch
Fliegende Zwerggänse in der Disselmersch

 

Singschwan am DeWittsee
Singschwan am De Wittsee

Ein beliebter Anlaufpunkt für Exoten ist auch der De Wittsee, bzw. das dortige Rohrdommelprojekt, über das ich bereits mehrfach berichtet habe. Im Februar 2017 hält sich eine ganze Zeitlang ein Singschwan am De Wittsee auf. Zur gleichen Zeit bekommt das Rohrdommelprojekt Besuch von einer Carolinakrickente (Amerikanische Krickente) und von einem Löffler, der das Wasser mit seinem Löffel hektisch nach Nahrung durchpflügt.   

Löffler im Rohrdommel-Projekt
Löffler im Rohrdommel-Projekt

 

Löffler im Rohrdommel-Projekt
Löffler im Rohrdommel-Projekt

 

Blauflügelente auf dem Boisdorfer See
Blauflügelente auf dem Boisdorfer See

Im Februar 2017 lässt sich für einige Tage eine Blauflügelente auf dem Boisdorfer See nieder. Der Boisdorfer See liegt unmittelbar am Marienfeld, wo meine Frau geboren wurde und der kath. Weltjugendtag 2005 mit Papst Benedikt XVI stattfand. Das Gelände ist ein rekultivierter Braunkohletagebau. Bevor jedoch die Rheinbraun braunkohlemäßig das ehemalige Boisdorf abgebaggert hat, habe ich meine Frau noch rechtzeitig angebaggert…
Aber zurück zu den seltenen Gästen. Leider ist die Blauflügelente 2017 so weit entfernt, dass ich sie nicht vernünftig fotografieren kann. Zwei Jahre später jedoch ist dieselbe Ente wieder auf Besuch im ehemaligen Boisdorf. Diesmal erwische ich sie aus einer noch fotogenen Entfernung. Der zur gleichen Zeit anwesende Rothalstaucher lässt sich leider nicht in einer akzeptablen Entfernung blicken.

Blauflügelente auf dem Boisdorfer See
Blauflügelente auf dem Boisdorfer See

 

Blauflügelente mit Blässhuhn auf dem Boisdorfer See
Blauflügelente mit Blässhuhn auf dem Boisdorfer See

Natürlich gibt es auch seltene Säugetiere, über die ich berichten könnte, wenn ich denn Fotos hätte. Fast zwölf Jahre ist es jetzt her, als ich bei einer Wanderung über die Dreiborner Höhe auf einmal einem Luchs gegenüberstehe. Keine 15 Meter ist er von mir entfernt. Der Luchs überwindet seinen Schreck schneller als ich meinen und verschwindet im Dickicht, ehe ich überhaupt daran denke, meine kleine Kamera in Anschlag zu bringen.

Auch dem Wolf bin ich noch nicht begegnet. Da muss ich mir schon einen laufen, um ihn zu fotografieren. Aber solche Fotos möchte ich meinen eifelpanorama-Lesern natürlich nicht zumuten…

4 Gedanken zu „Ornithologen-Glück – Seltene Gäste in unserer Gegend“

  1. Hallo Ronald

    Tolle Doku mit excellente Aufnahmen von seltenen gefiederten Gäste
    Erinnere mich sehr gerne am unser Kennenlernen beim fotografieren des Ohrentauchers
    LG Helle

    1. Hallo Helle,
      ja, das war toll, dass der Ohrentaucher aus der Bucht auf uns zugeschwommen kam. Erinnere ich mich auch noch gerne dran. Ich hoffe, Dir geht es gut. Ich glaube, ich war in diesem Jahr noch gar nicht „bei Dir“ in Belgien fotografieren. Habe aber einen Bericht über die Rohrdommel in Belgien in Arbeit.
      Liebe Grüße
      Ronald

  2. Hallo Ronald … Es wurde ja auch wieder mal Zeit um einen Natur -bericht von dir zu lesen so geht das ja nicht , Monate lang muss man hier auf neueste Berichte und Bilder warten …….. :-))

    Bestens wie nicht anders gewohnt hast du hier wieder ge- und be- schrieben .
    Hat wieder Spass gemacht hier rein zu schauen .
    Beste Grüße heinz
    https://www.fotocommunity.de/photo/und-weiter-gehts-helu559/41512062
    https://www.fotocommunity.de/photo/aufgeschreckt-helu559/41512006
    https://www.fotocommunity.de/photo/loeffelreiher-loeffler-helu559/41511991
    will dir damit nur sagen, dass auch ich nicht untätig war ….

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