Archiv der Kategorie: Fotoausstellung planen

Tipps und Tricks zur Planung einer Fotoausstellung

Fotoausstellung planen – Wie ich es machte – Teil III

Im Teil 1 von „Fotoausstellung planen – Wie ich es machte“ berichtete ich, wie ich durch den Besuch von Ausstellungen für meine geplante Ausstellung lernte, wo und mit welchem Thema ich die Ausstellung machen möchte, wie ich Rahmen und Passepartouts, sowie die Beschriftung der Papierbilder gestalten möchte und für welchen Digiframe ich mich zwecks Diashow entschieden habe.
Im Teil 2 hast du erfahren, wie ich die Fotos selektierte und sortierte, welches Fotopapier ich zum Drucken wählte und wie ich die Diashow (Slideshow) organisierte.
Im 3. und letzten Teil von „Fotoausstellung planen – Wie ich es machte“ geht es hier nun um das Organisatorische am Ausstellungsort, das Aufhängen der Bilder, um die Einladungen, die Pressemitteilungen, die Vernissage usw.

Mit dem für die Ausstellungen zuständigen Mitarbeiter und seiner Vertreterin habe ich einen Termin im Rathaus vereinbart. Hier werden mir folgende Fragen gestellt bzw. organisatorische Dinge besprochen:

  • Wie viele Bilder werden ausgestellt?Ca. 35 + 1 digitaler Bilderrahmen.
  • Ist versicherungstechnisch etwas zu beachten? Nein, den gesamten Materialwert schätze ich auf ca. 2.300,– Euro, das wertvollste Einzelteil ist der DigiFrame mit seinem Neupreis von ca. 300,– Euro. Wir vereinbaren, den DigiFrame in einer der abschließbaren Vitrinen aufzustellen. Da ist er sicher.
  • Wie viele Personen werden voraussichtlich zur Vernissage eingeladen? Das ist schwer zu schätzen, ich gehe von ca. 50 Personen aus. Die Einladungen werden im Rathaus gedruckt und auch von der Gemeinde versandt. Die Gemeinde hat selbst etwa 100 Adressaten, die sie standardmäßig einlädt. Wir einigen uns darauf, dass ich meine Adressen auf Aufkleber drucke und den Rathaus-Mitarbeitern für die Einladungen zur Verfügung stelle. Ich hätte die Adressen auch digital als Excel-Datei liefern können. Später, als ich meine Adressen zusammenstelle, muss ich meine geschätzte Zahl nach oben auf 130 korrigieren. Ich frage nach, ob ich zusätzlich noch ca. 20 Exemplare des Einladungs-Flyers bekommen kann, um diese ggf. noch an „vergessene“ oder „zusätzliche“ Personen verteilen zu können. Eingeladen habe ich Verwandte, Freunde, Bekannte, Kollegen, Kunden, Nachbarn, Vereins-Mitglieder (soweit ich zu diesen eine engere Beziehung habe) und auch den Bürgermeister der Nachbargemeinde, durch die ein Teil der Kall fließt und auf deren Gebiet ebenfalls viele der Fotos entstanden sind. Vielleicht ergibt sich daraus eine weitere Ausstellung in deren Rathaus. Zu den eingeladenen Gästen zählen auch die Mitarbeiter der beiden Biologischen Stationen (siehe Bericht „Am Hexenplatz“).
  • Den Text für den Einladungs-Flyer soll ich erstellen und liefern. Er wird in ein vorgefertigtes Faltblatt gedruckt, das auf der Rückseite die Adresse und die Anfahrt-Skizze des Rathauses enthält.
Flyer-Vorderseite
Flyer-Vorderseite
Flyer-Innenseite
Flyer-Innenseite

 

 

 

 

 

 

  • Die Gemeinde lädt die Presse ein. Zusätzlich habe ich aber auch die Möglichkeit eigene Pressemitteilungen zu schreiben. Die Journalisten haben oftmals gerne ein Informations-Blatt, das sie mitnehmen und für ihren Artikel verwenden dürfen. Auch das muss ich natürlich selbst erstellen.
Pressemitteilung
Pressemitteilung
Presse-Info-Blatt Seite 1
Presse-Info-Blatt Seite 1
Presse-Info-Blatt Seite 2
Presse-Info-Blatt Seite 2

 

 

 

 

 

 

 

  • Getränke (Sekt, O-Saft, Wasser) werden großzügig von der Gemeinde gestellt. 1-2 Gemeinde-MitarbeiterInnen werden die Vernissage-Besucher damit bewirten.
  • Die Vernissagen werden immer an einem Donnerstag veranstaltet, an dem auch Ratssitzung ist. Das erhöht die Besucherzahl noch einmal.
  • Die Ausstellungsdauer beträgt üblicherweise 6-8 Wochen.
  • Die Ausstellungsräumlichkeiten befinden sich auf der 1. Etage des Rathauses, wo auch der große Sitzungssaal ist. Sowohl das Foyer, als auch die abzweigenden Flure können genutzt werden.
  • Zum Aufhängen der Bilder sind Galerieschienen vorhanden. Die Nylonschnüre mit den Haken werden gestellt.
  • Schließlich äußere ich noch den Wunsch nach einer Möglichkeit, ein Gästebuch für die Dauer der Ausstellung auslegen zu können.

Zwei Tage vor der Ausstellungseröffnung rücke ich mit Frau und Bildern an. Falls irgendetwas Unvorhergesehenes passiert, haben wir dann noch eineinhalb Tage Zeit zur Korrektur. Im Vorfeld habe ich mir einen detaillierten Plan gemacht, in welcher Reihenfolge die einzelnen Bilder aufgehängt werden sollen.

Sich darüber im Vorfeld Gedanken zu machen, hat auf jeden Fall Vorteile! Auch wenn dieser Plan nie komplett umgesetzt werden kann. Aber das merkst du erst beim Sortieren der Bilder. Meine Frau und ich stellen die Bilder zuerst in der vorgesehenen Reihenfolge unter die Galerieschienen. Dann werden sie teilweise umsortiert und in die optimale Reihenfolge gebracht: Spektakuläre Bilder neben weniger spektakulären, Landschaftsbilder, Tiere und Pflanzen, quer- und hochformatige Bilder in einer guten, interessanten Mischung, um den Betrachter nicht mit einer militärisch ausgerichteten Ordnung zu langweilen. Meine Frau und ich testen, wohin der Blick zuerst fällt, wenn man die Treppe zur ersten Etage hochgeht und den Ausstellungsraum betritt. Dort wird der „Eye-Catcher“, der Blickfang, hingehängt. Ein Bild, das den Aha-Effekt auslöst und sofort auf den Rest der Ausstellung neugierig macht. Wir entscheiden uns für das Bild der Burg Nideggen, die oben aus dem Nebelmeer herausragt und von einem Aussichtsturm unseres Gemeindegebietes, dem sogenannten „Krawutschketurm“ aufgenommen wurde.

Burg Nideggen - der Eye-Catcher
Burg Nideggen – der Eye-Catcher

 

Die zuvorkommenden RathausmitarbeiterInnen versorgen uns mit Trittleiter, Werkzeug zum Ausrichten und Befestigen der Haken an den Nylonschnüren sowie mit Kaffee. Wir stellen fest, dass in unserem Rathaus eine schöne, entspannte und freundliche Atmosphäre herrscht. Wir fühlen uns dort gleich wohl.

In die vorgesehene Vitrine stelle ich den digitalen Bildschirm, den Bilderrahmen mit der Landkarte (siehe Teil 2) und einen kleinen Rahmen mit meinem Bild und einer kurzen Beschreibung meiner Person sowie meines künstlerischen Werdegangs.

Künstler-Portrait und Diaschau in der Vitrine
Künstler-Portrait und Diaschau in der Vitrine

 

Vitrine mit Künstler-Portrait, Diaschau im digitalen Bilderrahmen und Karte der Aufnahmeorte
Vitrine mit Künstler-Portrait, Diaschau im digitalen Bilderrahmen und Karte der Aufnahmeorte

Beim Test der Diashow (Slideshow) stellt sich heraus, dass die Vitrine nur dann Strom hat, wenn er explizit in der Zentrale eingeschaltet wird. Wenn dies aus irgendwelchen Gründen erst nach der automatischen Einschaltzeit des DigiFrames geschieht, dann bleibt der Bildschirm aufgrund des verpassten Zeitpunktes  dunkel. Die Mitarbeiterin der Zentrale wird von uns und einem Abteilungsleiter des Rathauses darauf eingeschworen, den Strom für die Vitrine jeden Morgen pünktlich einzuschalten. Vorsichtshalber setze ich den Einschalt-Zeitpunkt am Gerät noch etwas später. Alles in allem haben wir insgesamt etwa sieben Stunden für den Aufbau der Ausstellung benötigt. Das hätte ich nicht gedacht.

Am nächsten Tag sind meine Frau und ich, gemeinsam mit Sohn und Schwiegertochter bereits 45 Minuten vor Beginn der Ausstellungseröffnung vor Ort. Ich lege das Gästebuch, Visitenkarten (mit eifelpanorama.de-Aufdruck) und die Info-Blätter für die Presse aus. Davon habe ich genug kopiert, weil sich vermutlich auch viele Besucher so ein Blatt mitnehmen möchten. Das Gästebuch habe ich nach langem Suchen in einem großen Buchhandel gefunden.

Gästebuch-Vorwort
Gästebuch-Vorwort

 

Gästebuch
Gästebuch

 

Einen Fehler mache ich: Um die Vernissage zu dokumentieren, gebe ich meine Spiegelreflex jemandem, der sie und ihre Tücken nicht kennt. Dadurch ist die Bildausbeute von der Vernissage leider äußerst mager.

Für die unvermeidliche Ansprache habe ich mir vorher ein paar Stichworte notiert. Solche Ansprachen sollten, wenn irgendwie möglich, in freier Rede vorgetragen werden.

Eine halbe Stunde vor Vernissage-Beginn treffen die ersten Besucher ein. Wichtig ist, dass jeder Besucher persönlich frendlich begrüßt wird. Ich persönlich habe mich wirklich sehr über jeden Einzelnen gefreut, der durch den Besuch der Ausstellung Interesse an mir und meinem Werk gezeigt hat! Es sind viele Interessierte zur Vernissage gekommen, viel mehr, als ich erwartet habe.

Der Bürgermeister hält eine interessante, kurzweilige Eröffnungsansprache. Meine Frau und ich erhalten sogar je ein Präsent: Einen tollen Blumenstrauß für meine Frau, Wild-Salami und Wild-Schinken vom hiesigen Forstamt für mich. Das, was ich vorher fotografiert habe, muss ich nun essen.

Selbstverständlich soll ich auch eine Begrüßungsrede halten. Ich gebe meiner Freude über das zahlreiche Erscheinen Ausdruck, erwähne einige besondere Gäste und auch diejenigen, die die weiteste Anfahrt auf sich genommen haben. Ich sage auch etwas über die Entstehung des Projektes und Interessantes über einige besondere Bilder. Spektakuläres ist immer interessant: aus mehr als 14.000 Bildern wurde die Ausstellung zusammengestellt oder mit welchem Aufwand die Fledermaus-Bilder entstanden sind oder etwas über den abgebildeten James-Bond-Hubschrauber. Natürlich mache ich auch auf das Gästebuch und meine Website aufmerksam.

Während der Vernissage
Während der Vernissage

 

Ein Mitarbeiter der Biologischen Station Aachen sagt mir, wie froh er sei, dass ich etwas über die Entstehung der Fledermaus-Bilder gesagt habe. Ihm wurde nämlich berichtet, dass da fast jeden Abend im Dunkeln ein Mann am Teich steht und dass es da immer blitzt. Niemand konnte sich einen Reim auf diese Vorgänge machen. Jetzt weiß er, was da passiert ist – Fledermausfotografie.

Während die Besucher meine Bilder betrachten, geselle ich mich zur ein oder anderen Gruppe hinzu und gebe ein paar Erklärungen zum jeweiligen Bild.

Auch die Diashow wird sehr gut angenommen. Ich habe kaum jemanden beobachtet, der die fast 25-minütige Show vorzeitig verlassen hat.

Ein Journalist kommt auf mich zu, stellt einige Fragen und möchte ein Foto von mir vor meinem Lieblingsbild machen. Da dieses aber für ein Foto mit mir sehr ungünstig hängt, suchen wir ein anderes aus. Dem Journalisten gebe ich auch einen der vorbereiteten Handzettel.

Hier der Link zu seinem Bericht: „Schillernde Vielfalt an Motiven entlang der Kall“

Auch im „Dorfboten Hürtgenwald“ erscheint ein schöner Bericht über die Ausstellung. Du kannst ihn hier als PDF herunterladen (bitte Ausgabe September 2014 wählen!): Dorfbote Hürtgenwald Ausgabe September 2014

Eine wirklich erfolgreiche Vernissage!

Während der Vernissage
Während der Vernissage

 

Einige Tage später meldet sich ein Fotoclub, der eine Führung durch meine Ausstellung haben möchte. Das mache ich doch gerne. Auch Personen, die zur Vernissage nicht kommen konnten, fragen, ob ich sie durch die Ausstellung führen könne.

Die Rückmeldungen zur Ausstellung sind durchweg positiv. Ich freue mich auch über die tollen Gästebucheinträge, die im Laufe der gesamten Ausstellungszeit getätigt wurden.

Irgendwie ergibt es sich, dass die Ausstellung verlängert wird und bis Dezember im Rathaus bleibt. Als ich sie dann abbaue, finden viele RathausmitarbeiterInnen das sehr schade. Man hatte sich schon so an den schönen Anblick gewöhnt und muss nun wieder auf die leeren Wände sehen.

Zur Erinnerung schenke ich unserem Bürgermeister und den beteiligten MitarbeiterInnen je einen kleinen Wandkalender mit einer Auswahl meiner Ausstellungsbilder im Format 10×15. Natürlich achte ich darauf, dass das Bild enthalten ist, welches der Bürgermeister einmal als sein Lieblingsbild bezeichnet hat. Er hätte es auch gerne als Bildschirmschoner. Diesen Wunsch erfülle ich ihm natürlich umgehend.

Übrigens fragt mich der Bürgermeister später nach einem schönen Motiv welches er als Weihnachtskarte/Weihnachtsgruß der Gemeinde verwenden dürfe. Ich lege ihm einige geeignete Aufnahmen vor, aus denen er ein Foto für die Weihnachtskarte aussucht. Von den fertig gedruckten Karten erhalte ich etliche für eigene Zwecke, die ich gerne für unsere persönlichen Weihnachtskarten verwende.

Zum Schluss dieser 3-teiligen Abhandlung noch etwas zum Zeitbedarf und zu den Kosten der Ausstellung:

Bilderrahmen, Passepartouts, Papier, Ausbelichtung der Testbilder, Druckertinte, digitaler Bilderrahmen, Drucker haben mich insgesamt  ca. 3.000 Euro gekostet. Pro Bild macht das ca. 86,00 Euro. Selbst wenn du Drucker und DigiFrame heraus rechnest, kommst du noch auf Durchschnittskosten von 56,00 Euro pro Bild. Und hier ist noch nicht die viele Zeit für das Fotografieren, Einrahmen oder der Kamera-/Ausrüstungsverschleiß usw. eingerechnet!

Welche Einsparmöglichkeiten hast du? Du könntest weniger Bilder ausstellen. Du könntest die Fotos vom Ausbelichter drucken lassen, ggf. auf einfacherem Fotopapier. Du kannst auch das Passepartout weglassen oder Passepartout-Standardformate wählen. Auch auf das Antireflexglas könntest du verzichten.

Falls du aber testweise eine „teure“ Version und eine „billige“ Version herstellst und diese vergleichst, wirst du den himmelweiten Unterschied sehen und dich kaum noch für die Billigvariante entscheiden.

Unterschätze den Zeitbedarf für deine erste Ausstellung nicht! Wenn du das Thema und alle Fotos dazu beisammen hast, dann musst du deine Testbestellungen tätigen, Bilder aussuchen und bearbeiten, Diashow konzipieren, Bilder drucken und rahmen, Texte entwerfen usw. Wenn du viel Zeit hast, magst du vielleicht mit einem halben Jahr auskommen. Besser ist es, ein Jahr im Voraus zu planen. Denk aber auch daran, dass ein Zeitplan durch unvorhergesehene Ereignisse schnell aus den Fugen geraten kann!

Ich wünsche dir nun viel Erfolg für die Realisierung deiner ersten Ausstellung!

Fotoausstellung planen – Wie ich es machte – Teil II

Im Teil 1 von „Fotoausstellung planen – Wie ich es machte“ berichtete ich, wie ich durch den Besuch von Ausstellungen für meine eigene geplante Ausstellung lernte, wo und mit welchem Thema ich die Ausstellung machen möchte, wie ich vorhabe, Rahmen und Passepartouts, sowie die Beschriftung der Papierbilder zu gestalten und für welchen digitalen Bilderrahmen ich mich zwecks Diashow entschieden habe.
In diesem zweiten Teil geht es um die Bilder.

Fotoausstellung planen – Wie ich es machte – Teil II weiterlesen

Fotoausstellung planen – Wie ich es machte – Teil I

Was nutzen die tollsten Fotos, wenn sie keiner sieht? Irgendwann wird sich jeder ambitionierte (Hobby-)Fotograf diese Frage stellen. Klar, es gibt Foto-Communitys und Wettbewerbe. Da gehen deine Fotos, wenn sie nicht ganz außergewöhnlich sind, in der Masse unter. Auch ein eigener Webauftritt ist eine Möglichkeit, deine Fotos dauerhaft zu präsentieren. Aber um dich und dein Werk in deiner Umgebung bekannt zu machen, ist eine Ausstellung das Medium der Wahl – vorausgesetzt, du packst das richtig an. Wie aber kannst du so eine Fotoausstellung planen? Ich zeige dir hier, wie ich das gemacht habe.

Fotoausstellung planen – Wie ich es machte – Teil I weiterlesen